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Zurück ins Stadion: geimpft, genesen oder auch getestet?

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!

Die Sache mit dem G-Punkt wird reichlich kompliziert in Deutschland. Bisher war ich ganz happy, dass ich ein Handy habe, das 5G kann, und musste dann hierzulande froh sein, wenn ich 4G-Empfang habe. Die 3G-Regel in der Bundesliga, wonach Geimpfte und Genesene in den Stadien Rücksicht auf Getestete nehmen sollen, lehne ich schon deshalb ab, weil mich 3G an das G3-Gewehr bei der Bundeswehr erinnert. Bliebe also 2G.

Im Profifußball setzt sich die Einsicht nur langsam durch, dass 2G die Mutter aller Lösungen sein könnte. St. Pauli-Präsident Oke Göttlich geht so weit, dass er dem kickenden Personal und allen Übungsleitern ganz grundsätzlich die 2G-Regelung auferlegen will, wenn sie ihrem Beruf nachgehen wollen. Dagegen schießen Querdenker und Impfgegner, weil sie sich bestenfalls zurückgesetzt fühlen und schlimmstenfalls um ihre Freiheit beraubt.

So geht das die ganze Zeit. Eigentlich will man nur mit dem einigermaßen guten Gefühl ins Stadion, dass man den Sitznachbarn nicht als Superspreader verdächtigt. Aber schon Tim Wiese war nicht vom smarten Hygienekonzept im Weserstadion überzeugt, wonach man in seiner Zone bleiben sollte, damit mögliche Infektionsketten nachverfolgt werden können. Er wollte, dass ihm als Werder-Legende Logentüren offen stehen, und motzte hinterher.

Was hat Tim Wiese in den vergangenen anderthalb Jahren verpasst? Eine Jugendfreundin hatte für solche Situationen die einfache Erklärung: "Jeder macht, was er will; keiner macht, was er soll; aber alle machen mit." Ist es wirklich so schwierig, sich bundesweit eine einheitliche Regelung zu verpassen, die erstens verständlich ist, zweitens Mehrheiten überzeugt und drittens zur Versöhnung statt Spaltung ebiträgt?

Hier wäre jetzt ein Leader gefragt, der im deutschen Profifußball Einigung schafft. So wie Bundesliga-.Boss Christian Seifert auf dem Höhepunkt der Coronakrise. Aber vom DFB: nix zu hören. Bei der DFL: die Seifert-Nachfolgerin noch nicht im Amt. In diesem Vakuum entstehen plötzlich Insellösungen in den Stadien, die munter diskutiert werden und Verwirrung stiften. 5G, 3G oder doch 2G - alles gaga.

Einen apokalyptischen Donnerstag wünscht

Euer Pit Gottschalk

Zurück ins Stadion: geimpft, genesen oder getestet?

1. FC Köln fordert volles Stadion mit 2G-Regel

1. FC Köln fordert volles Stadion mit 2G-Regel

Chaos in Deutschlands Stadien: Wo dürfen wieviele Fans ins Stadion? Wo gilt 2G, wo 3G? 50 Prozent Auslastung, maximal 25 000 Zuschauer – das sind die aktuellen Vorschriften, an die sich die Klubs halten müssen. Doch mit der 2G-Regel (Zugang nur für Geimpfte und Genesene) wollen die Vereine jetzt ihre Arenen wieder vollmachen! Das erlauben Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg.

Von Peer Lasse Korff

Die Klubhymne ertönt und das ganze Stadion singt mit. Die Arena ist ausverkauft bis auf den letzten Platz, die Fans peitschen ihr Team im engen Duell nach vorne und der späte Treffer sorgt für kollektive Ekstase.

Nicht nur in Dortmund, Hamburg, Stuttgart, München oder Berlin vermissen Fußballanhänger das echte Stadionerlebnis. Gleiches gilt für die Spieler und Trainer sowie die Vereine, natürlich auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Es ist bald wieder soweit, das scheint seit der Entscheidung in Hamburg klar. Unter Berücksichtigung des 2G-Modells können die Klubs der Hansestadt, also der HSV und St. Pauli, die Hütte ab sofort wieder voll machen. Wenn sie denn wollen.

Die blanke Euphorie löste das grüne Licht der Behörden aber zunächst nicht aus. Organisatorische Hürden sorgen erst einmal für Verzögerungen und auch die Reaktionen der Verantwortlichen fielen zumindest vorsichtig aus - und das ist gut so.

Corona hat überall seine Spuren hinterlassen. Es macht mehr Sinn, sich mit Bedacht dem echten Stadionerlebnis wieder zu nähern, auch wenn vielleicht schon mehr möglich wäre. Kritische Stimmen, die eine Vollauslastung durch Geimpfte und Genesene zu diesem Zeitpunkt als zu gefährlich erachten, können mit weiteren Erkenntnissen beruhigt werden.

Auch Fans gibt man so etwas Zeit, sich wieder im dichten Gedränge wohlzufühlen. Und in der Außenwirkung entsteht nicht erneut der Eindruck vom König Fußball, der gierig zu schnell vorprescht.

Peer Lasse Korff ist Redakteur beim Sport-Informationsdienst (SID)

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G2 oder G3 in Fußball-Stadien? Was machen Klubs, wenn Hardcore-Fans ausbleiben?Knicken sie ein? Das kann ja nicht sein.

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