ZDF versteckt Frauen-Länderspiel im Stream – und nennt das Gleichwertigkeit
Ein WM-Qualifikationsspiel landet im Livestream, während der Sender von Gleichwertigkeit spricht. Die Programmierung entlarvt eine Haltung.
Ein WM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen gegen Norwegen, und das ZDF versteckt es im Livestream. Ich muss zugeben: Diese Entscheidung irritiert mich zutiefst.
Der Sender begründet die Programmierung mit der Ereignisfülle des Sport-Samstags. Paralympics, Wintersport-Weltcups, die Männer-Bundesliga – alles wichtiger als ein Länderspiel der DFB-Frauen auf dem Weg zur WM 2027 in Brasilien. Der Sprecher des ZDF nennt den Livestream einen gleichwertigen Ausspielweg. Gleichwertig? Wenn das stimmen würde, warum zeigt derselbe Sender dann das Heimspiel gegen Österreich im April im Hauptprogramm?
Die Antwort liegt auf der Hand: Gleichwertigkeit ist eine Floskel, die verschleiern soll, was tatsächlich passiert. Das ZDF trifft eine bewusste Entscheidung über Relevanz. Und diese Entscheidung lautet: Frauenfußball kommt nach Wintersport. Nach Paralympics. Nach allem anderen, was an diesem Samstag läuft.
Ich verstehe die Zwänge eines öffentlich-rechtlichen Senders. Ich verstehe, dass Programmplanung Kompromisse erfordert. Aber ich verstehe nicht, wie man ein Auswärtsspiel gegen Norwegen – eine Partie mit erheblicher sportlicher Bedeutung für die WM-Qualifikation – in den digitalen Nebenraum schiebt und gleichzeitig behauptet, man nehme den Frauenfußball ernst.
Die Priorisierung offenbart ein Muster. Heimspiele bekommen Sendezeit im linearen Programm, Auswärtsspiele wandern in den Stream. Das mag organisatorisch nachvollziehbar sein, aber es sendet eine klare Botschaft an die Fans: Euer Sport ist uns wichtig – aber nur, wenn er ins Schema passt.
Das ZDF steht hier stellvertretend für eine Haltung, die im deutschen Fußball weit verbreitet ist. Man feiert die Erfolge der Frauen-Nationalmannschaft, wenn sie kommen. Man lobt die Entwicklung des Frauenfußballs in Sonntagsreden. Aber wenn es darum geht, konkrete Ressourcen zu verteilen – Sendezeit, Aufmerksamkeit, Geld – dann rückt der Frauenfußball nach hinten.