Wollitz zeigt, was die Verbände beim Kampf gegen Rassismus versäumen

Der Drei-Stufen-Plan schützt den Spielbetrieb, nicht die Betroffenen. Warum ein Trainer mehr Klarheit zeigt als DFB und DFL.

Wollitz zeigt, was die Verbände beim Kampf gegen Rassismus versäumen
IMAGO/Steffen Beyer

Claus-Dieter Wollitz sagt, das nächste Mal gehe er mit seiner Mannschaft in die Kabine. Egal welcher Spielstand, egal welche Tabellensituation, egal welche Strafe. Ich finde: Endlich sagt mal einer, was gesagt werden muss.

Der Trainer von Energie Cottbus hat nach der rassistischen Anfeindung seines Spielers Justin Butler beim Auswärtsspiel bei 1860 München im November 2025 eine Grenze gezogen. Das Spiel wurde damals unterbrochen, dann aber fortgesetzt. Die Münchner entschuldigten sich im Nachgang. Für Wollitz reicht das nicht. Für mich auch nicht.

Der deutsche Fußball arbeitet mit dem Drei-Stufen-Plan der UEFA. Erst kurze Unterbrechung, dann längere Unterbrechung, dann Abbruch. Das klingt nach Deeskalation, nach Verhältnismäßigkeit, nach Prozess. In Wahrheit ist es ein bürokratisches Feigenblatt. Denn wer entscheidet, wann Stufe drei erreicht ist? Der Schiedsrichter, der unter Zeitdruck steht? Der Stadionsprecher, der beschwichtigen soll? Die Verbände, die Angst vor juristischen Konsequenzen haben?

Wollitz durchbricht diese Logik. Er sagt: Beim ersten Vorfall ist Schluss. Nicht beim dritten. Nicht nach Prüfung. Sofort. Das ist radikal, ja. Aber Rassismus ist keine Grauzone. Wer einen Spieler wegen seiner Hautfarbe angreift, hat sein Recht auf Unterhaltung verwirkt. Punkt.

Ich höre schon die Einwände. Was ist mit den anderen Fans, die nichts dafür können? Was ist mit dem sportlichen Wettbewerb? Was ist mit den TV-Verträgen? Diese Fragen sind berechtigt. Aber sie dürfen nicht dazu führen, dass wir Rassismus als kalkulierbares Risiko behandeln. Als etwas, das man managen kann, solange der Spielbetrieb weiterläuft.

Wollitz nimmt die Verantwortung auf sich. Er sagt, er werde eine mögliche Strafe auf seine Kappe nehmen. Das ist mutig, weil er damit seinen Verein exponiert. Aber es ist auch ein Eingeständnis: Die Strukturen des deutschen Fußballs zwingen einen Trainer dazu, sich gegen die Regeln zu stellen, um das Richtige zu tun.

Der DFB und die DFL müssen sich fragen lassen, warum ein Drittliga-Trainer mehr Klarheit zeigt als ihre eigenen Gremien. Der Drei-Stufen-Plan mag auf dem Papier vernünftig wirken. In der Praxis schützt er den Spielbetrieb, nicht die Betroffenen.

Justin Butler wurde angefeindet. Das Spiel ging weiter. Die Botschaft, die davon ausgeht, ist verheerend: Der Fußball duldet Rassismus, solange er nicht zu laut wird.