WM 2026: Washingtons politische Blockaden gefährden Amerikas Glaubwürdigkeit als Gastgeber

Zugesagte Bundesmittel fehlen, Städte drohen mit Rückzug. Vier Monate vor Anpfiff stellt sich die Frage: Halten die USA ihr Versprechen?

WM 2026: Washingtons politische Blockaden gefährden Amerikas Glaubwürdigkeit als Gastgeber
IMAGO/ABACAPRESS

Rund 900 Millionen Dollar an zugesagten Bundesmitteln, die nicht fließen. Elf amerikanische Gastgeberstädte, die auf dem Trockenen sitzen. Und ein Turnier, das in weniger als vier Monaten beginnen soll. Was ich da aus Washington höre, lässt mich an der Ernsthaftigkeit zweifeln, mit der die USA diese WM angehen.

Ich beobachte den Profifußball seit Jahrzehnten, aber eine solche Situation habe ich noch nicht erlebt. Die Vereinigten Staaten haben sich gemeinsam mit Mexiko und Kanada um das größte Fußballturnier der Geschichte beworben, sie haben den Zuschlag bekommen, sie haben Versprechen gemacht. Und jetzt, wenige Wochen vor dem Anpfiff, stehen lokale Verantwortliche vor dem Sicherheitsausschuss des Repräsentantenhauses und erklären, dass die Vorbereitungen erheblich im Rückstand sind.

Das ist keine Randnotiz. Das ist ein Alarmzeichen.

Miami braucht bis Ende März 70 Millionen Dollar, sonst werden Rahmenveranstaltungen wie das Fan-Festival gestrichen. Der operative Geschäftsführer des dortigen WM-Organisationskomitees spricht von katastrophalen Folgen. In Kansas City sieht der stellvertretende Polizeichef nicht genügend Personal, um während der Endrunde für Sicherheit zu sorgen. Und Boston, wo unter anderem England und Frankreich Vorrundenspiele bestreiten sollen, hat offenbar bereits mit einem Rückzug gedroht.

Ich frage mich: Wer trägt hier eigentlich die Verantwortung? Die Städte haben ihre Bewerbungen eingereicht im Vertrauen darauf, dass Washington seinen Teil erfüllt. Die FEMA hatte im November ein Programm aufgelegt, 625 Millionen Dollar für Sicherheitsmaßnahmen, im Dezember um weitere 250 Millionen aufgestockt. Das Geld existiert auf dem Papier. Nur ankommen tut es nicht.

Die teilweise Haushaltssperre in den USA ist kein Naturereignis. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, politischer Blockaden, politischer Prioritäten. Und diese Prioritäten sagen gerade: Eine Fußball-WM mit erwarteten Millionen Besuchern ist nicht wichtig genug, um Gelder freizugeben.

Das ist eine Botschaft, die weit über den Sport hinausreicht. Die FIFA hat dieses Turnier in die USA vergeben, weil sie auf Infrastruktur, Sicherheit und Professionalität vertraute. Wenn jetzt Städte mit dem Rückzug drohen und Polizeibehörden warnen, sie könnten ihre Aufgaben nicht erfüllen, dann steht mehr auf dem Spiel als ein paar Fan-Festivals.

Es geht um die Glaubwürdigkeit eines Gastgeberlandes. Es geht um die Frage, ob politische Grabenkämpfe in Washington wichtiger sind als internationale Verpflichtungen. Und es geht um die Sicherheit von Hunderttausenden Menschen, die im Sommer in amerikanische Stadien strömen werden.