Werder-Krise lässt sich nicht mit einem Trainerwechsel lösen
Nordklub verliert in Überzahl 0:1 in Freiburg und bleibt im Abstiegskampf stecken.
Daniel Thioune wusste, worauf er sich einlässt. Als er am Mittwoch in Bremen vorgestellt wurde, sprach der neue Trainer von Energie, Zuspruch, Unterstützung. Nicht von Wundern. Drei Tage später steht fest: Auch der neue Mann an der Seitenlinie kann die Gesetze des Fußballs nicht außer Kraft setzen. Das 0:1 in Freiburg ist mehr als nur ein missglücktes Debüt. Es ist die Fortsetzung einer Abwärtsspirale, die Bremen immer tiefer in den Abstiegssumpf zieht.
Elf Spiele ohne Sieg. Kein anderer Bundesligist wartet derzeit länger auf einen Dreier. Die letzte Serie dieser Länge erlebte Werder in der Saison 2017/18. Damals endete die Spielzeit auf Platz elf. Diesmal droht Schlimmeres. Relegationsplatz 16 ist keine Momentaufnahme mehr, sondern das Ergebnis einer strukturellen Krise, die sich nicht durch einen Trainerwechsel in Luft auflöst.
Was in Freiburg besonders schmerzt: Bremen hatte nach der Roten Karte für Johan Manzambi fast 40 Minuten Zeit, das Spiel zu drehen. Überzahl als Geschenk, das niemand auspacken konnte. Die Thioune-Elf erhöhte zwar den Druck, doch die Freiburger Defensive um Matthias Ginter in dessen 400. Bundesligaspiel blieb weitgehend unbehelligt. Erst die Umstellung auf Viererkette brachte etwas mehr Präsenz im Strafraum. Zu spät, zu wenig, zu harmlos.
Jan-Niklas Beste hatte in der 13. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer ins lange Eck für die Entscheidung gesorgt. Sein erstes Pflichtspieltor im 28. Einsatz für die Breisgauer. Ausgerechnet ein Spieler, der zuvor torlos geblieben war, wurde zum Bremer Verhängnis. Das sagt viel über den Zustand dieser Mannschaft aus.
Thioune hatte gegenüber seinem Vorgänger Horst Steffen nur eine Änderung vorgenommen. Keke Topp spielte für Samuel Mbangula. Eine behutsame Korrektur, kein radikaler Umbruch. Der neue Trainer weiß, dass er Zeit braucht, die er nicht hat. Jedes weitere Spiel ohne Punkte verschärft die Lage. Die Konkurrenz im Tabellenkeller schläft nicht.
Was bleibt von diesem Nachmittag im Breisgau? Die Erkenntnis, dass Werder Bremen ein Team ist, dem offensiv die Durchschlagskraft fehlt. Defensiv zeigte die Mannschaft eine solide Leistung, doch Spiele gewinnt man vorne. Und genau dort liegt das Problem, das Thioune lösen muss.
Der Trainer ist kein Zauberer, das hat er selbst gesagt. Aber er muss schnell Lösungen finden. Denn in der Bundesliga zählt am Ende nur die Tabelle. Und die spricht eine unmissverständliche Sprache.