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Wer ist Bundesliga-Trainer des Jahres?

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Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!

Kollege Tobias Holtkamp hat mich gestern überrascht. Mitten in der Euphorie, dass der SC Freiburg auf einem Champions-League-Platz steht und demnächst den DFB-Pokal gewinnen kann, zeigt er Schattenseiten des Erfolgs auf. Alle, die's gut mit der Streich-Truppe meinen, sollten seine Kolumne unten besser nicht lesen. Sie provoziert Widerspruch.

Einen aufsässigen Dienstag wünscht

Euer Pit Gottschalk

++ Bundesliga aktuell ++

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Wer ist Bundesliga-Trainer des Jahres?

Kriegt Julian Nagelsmann die Kurve?

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Von Pit Gottschalk

Wer ist Bundesliga-Trainer des Jahres? Ganz sicher nicht Marco Rose, der am Samstag seine achte Saisonniederlage bei Borussia Dortmund erlebte und mit der 15. Niederlage im 44. Pflichtspiel beim BVB doppelt so schnell zerpflückt wurde wie sein Vorgänger Lucien Favre, der 82 Spiele schaffte.

Auch Julian Nagelsmann kann's kaum sein, weil die Meisterschaft mit dem FC Bayern mindestens die Hälfte seiner Kollegen holen würde und sein Lorbeerkranz, den sie ihm vor Saisonbeginn aufsetzen wollten, im DFB-Pokal (in Gladbach) und in der Königsklasse (gegen Villarreal) verdorrte.

Wenn aber weder der Deutscher Meister noch sein Vizemeister den besten Trainer stellt, weil alle Gegenargumente stichhaltig und gut sind, muss der Kandidatenkreis dringend und massiv erweitert werden. Darum abermals die Frage: Wer ist Bundesliga-Trainer des Jahres?

Die Fanumfrage im Bundesliga-Barometer von Professor Alfons Madeja (SLC Management in Nürnberg) kommt zu einem ziemlich eindeutigen Ergebnis: Christian Streich vom SC Freiburg (71,8 %) vor Urs Fischer von Union Berlin (53,3 %) und Steffen Baumgart vom 1. FC Köln (50,4 %).

Doch sogar diese mehrheitsfähige Meinung ließe sich mühelos umkehren, weil Sympathie und Motivationskunst nicht die einzigen Kriterien sein sollten. Kompetenz, Taktik-Finesse, Seriösität, Authenzität - das alles sind Merkmale, die zu berücksichtigen sind. Sagen die Fans in der Umfrage.

Zwangsläufig käme man auf weitere Namen. Auf Thomas Reis, der den VfL Bochum aus dem Nichts der 2. Liga zum Klassenerhalt in der Bundesliga führte. Auf Domenico Tedesco, der bei RB Leipzig eine tote Mannschaft zum Leben erweckte. Oder Felix Magath, der Männern Beine macht.

Und jetzt folgt der Clou in der Aufzählung. Erweitert man seinen Sicht aufs internationale Spielfeld, rücken automatisch Jürgen Klopp vom FC Liverpool und Thomas Tuchel vom FC Chelsea ins Blickfeld - zwei Trainer, die wie Hansi Flick die Champions League gewonnen haben.

Wer in der Bundesliga kann denn mit denen mithalten? Außer jetzt Julian Nagelsmann und davor Felix Magath hat niemand von ihnen jemals einen Meistertitel gewonnen (zumindest nicht in Deutschland). Plötzlich relativiert sich, was sie leisten, auf "ordentlich" bis "außerordentlich".

Wenn wir also debattieren, wer Bundesliga-Trainer des Jahres ist, dann meistens mit der Frage, wer aus den gegebenen Möglichkeiten, Kader und Geld, das maximal mögliche herausgeholt hat. Und leider nicht, wer das Meistermacher-Gen in sich trägt.

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Perspektivwechsel

SC Freiburg droht der Absturz

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Der SC Freiburg spielt in der kommenden Saison europäisch. Das könnte aber negative Folgen haben, meint Tobias Holtkamp.

Von Tobias Holtkamp

Dass der SC Freiburg, aufgrund seiner vielen richtigen Entscheidungen in den letzten Jahren, längst nicht mehr der "Kleine" ist, als den ihn viele sehen, habe ich an dieser Stelle schon einmal geschrieben.

Luca Waldschmidt hätten sie, so hatte ich damals erfahren, zum Beispiel sehr gerne zu einer Rückkehr von Benfica Lissabon bewegt. Die Freiburger haben sich auch sehr gestreckt, doch Wolfsburg schrieb dem Nationalspieler noch ein paar Euro mehr ins Vertragsangebot. Plus die Aussicht auf Champions League-Spiele.

Ein Jahr später kann man sagen: Hätte sich Waldschmidt mal anders entschieden..

Freiburg, das aller Voraussicht nach mit dem Gladbacher Nationalspieler Matthias Ginter nun einen noch prominenteren Rückkehrer als Neuzugang vorstellen wird, spielt nächste Saison im Europapokal. Vielleicht sogar in der Champions  League. Die Entscheidung kann am letzten Spieltag auswärts in Leverkusen fallen.

Freiburg in der Champions League, zwischen Real, Barcelona und Liverpool, das wäre ein mittelgroßes Fußballwunder und eine Geschichte, die dem Fußballgeschäft, das viel verloren hat in den vergangenen  Jahren, in Deutschland wahnsinnig gut tun würde. Im Pokalfinale steht die Mannschaft von Trainer Christian Streich ja auch noch (21. Mai gegen RB Leipzig).

Ginter-Wechsel bahnt sich an

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Stiller Protest gegen RB Leipzig

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Doch, sorry lieber Freiburg-Fans, ab jetzt fließt Wasser in euren wunderbaren Wein. Im Zweifel einfach hier aussteigen.

Denn bei aller verdienten Party nach einem absoluten Wahnsinnsjahr und bei all dem frischen Geld, das der Saisonabschluss auf die SC-Konten spült: der neuen sportlichen Herausforderung, Gänsehaut-Nächte in Europa mit Top-Auftritten am Wochenende zu kombinieren, sind sie noch nicht gewachsen. Dafür braucht es neben sportlicher Qualität vor allem Erfahrung. Und die werden die Freiburger jetzt erst einmal sammeln.

Die neue Kür, die Spiele gegen internationale Gegner, die aufregende Rolle im Hochglanz-Apparat Europapokal, vor allem natürlich in der Champions League, wird die nächste Freiburger Bundesliga-Saison, gemessen am aktuellen Superergebnis, kaputt machen. Ein Platz im vorderen Drittel sollte auf keinen Fall die neue Messlatte sein, das werden sie nicht wieder schaffen.

Ich befürchte: Die zusätzlichen Reisen, die ungewohnte Aufmerksamkeit und vor allem die vielen Emotionen werden den Sport-Club überfordern. Das wäre auch nicht schlimm und schon gar nicht ungewöhnlich, doch sie sollten damit rechnen - um dann, typisch Freiburg, auch mit der Situation wieder richtig und unaufgeregt umzugehen.

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