Wenn sogar der BVB-Trainer den Elfmeter nicht versteht, hat der VAR versagt
St. Paulis Trainer Blessin äußert heftige Kritik nach der Niederlage in Dortmund
Alexander Blessin steht am Spielfeldrand in Dortmund und ringt um Fassung. Sein FC St. Pauli hat gerade 2:3 verloren, in der fünften Minute der Nachspielzeit, durch einen Elfmeter, den der Videoassistent erst möglich machte. Der Trainer des Tabellenletzten übt Kritik, und man muss ihm zuhören.
Blessin sagt, er habe keine Kameraeinstellung gesehen, die zweifelsfrei belegt, ob das Foul von Ricky-Jade Jones an Maximilian Beier innerhalb oder außerhalb des Strafraums stattfand. Das ist keine Ausrede eines schlechten Verlierers, wie er selbst einräumt. Es ist eine legitime Frage an ein System, das mit dem Anspruch antritt, Gerechtigkeit zu schaffen.
Der VAR wurde eingeführt, um klare Fehlentscheidungen zu korrigieren. Wenn aber selbst der begünstigte Trainer Niko Kovac sagt, er könne nicht beurteilen, ob der Kontakt drin oder draußen war, dann stellt sich die Frage: Wo bleibt die Klarheit? Schiedsrichter Harm Osmers entschied zunächst auf Freistoß außerhalb des Strafraums. Der Videoassistent intervenierte. Emre Can verwandelte. Spiel entschieden.
Blessin geht weiter. Er spricht von mehreren spielentscheidenden Situationen, bei denen das Schiedsrichterteam aus seiner Sicht falsch lag. Konkret nennt er ein Foul von Nico Schlotterbeck in der ersten Halbzeit, das seiner Meinung nach eine Rote Karte verdient gehabt hätte. Ob diese Einschätzung zutrifft, lässt sich diskutieren. Dass sie nicht überprüft wurde, ist Teil des Problems.
Was Blessin zu Recht betont: Seine Mannschaft hat an diesem Abend Charakter gezeigt. Nach einem 0:2-Rückstand durch Tore von Julian Brandt und Karim Adeyemi kämpfte sich St. Pauli zurück. James Sands und eben jener Ricky-Jade Jones, der später das entscheidende Foul beging, glichen aus. Blessin hatte das Gefühl, sein Team sei näher am 3:2 als Dortmund. Dann kam die Nachspielzeit.
Der Fußball lebt von Emotionen, von Dramatik, von späten Wendungen. Aber er lebt auch von Akzeptanz. Wenn Trainer nach Spielen das Gefühl haben, dass Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind, dann hat der VAR sein Versprechen nicht eingelöst. Es geht nicht darum, ob St. Pauli den Punkt verdient hätte. Es geht darum, ob die Mittel, mit denen entschieden wird, dem eigenen Anspruch genügen.
Kovac zeigt Verständnis für Blessin. Das ist fair. Aber Fairness allein reicht nicht. Der VAR muss liefern, was er verspricht: Klarheit. In Dortmund blieb sie aus. Für St. Pauli bleibt die bittere Erkenntnis, dass im Abstiegskampf jeder Punkt zählt. Und dass manchmal nicht einmal die Technik hilft, wenn die Bilder nicht eindeutig sind.