Vor Bayern-Duell: Hoffenheim-Trainer Ilzer setzt Bossen die Pistole auf die Brust

Hoffenheims Trainer Ilzer könnte bei Abberufung von Geschäftsführer Schicker zurücktreten.

Vor Bayern-Duell: Hoffenheim-Trainer Ilzer setzt Bossen die Pistole auf die Brust
IMAGO/foto2press

Christian Ilzer hat am Samstag etwas getan, was Trainer in Deutschland selten wagen: Er hat seinem Arbeitgeber öffentlich die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Frage, ob er bei einer Abberufung von Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker zurücktreten würde, beantwortete er mit zwei Worten, die es in sich haben: "Kann sein."

Das ist bemerkenswert. Nicht weil ein Trainer Loyalität zu seinem Sportdirektor zeigt – das gehört zum guten Ton. Sondern weil Ilzer damit eine Grenze überschreitet, die in der Bundesliga normalerweise niemand antastet. Er stellt sich gegen die Eigentümerstrukturen seines Klubs. Er macht deutlich, dass er nicht bereit ist, jeden Preis für seinen Job zu zahlen.

Hoffenheim steht auf Platz drei der Bundesliga. Das ist für einen Klub dieser Größenordnung eine Sensation. Ilzer und Schicker haben gemeinsam etwas aufgebaut, was in Sinsheim lange nicht mehr existierte: eine funktionierende sportliche Identität.

Der Trainer beschreibt seinen Sport-Geschäftsführer als jemanden, der "Personen und Abteilungen verbindet" und die "Rahmenbedingungen herstellt, dass wir erfolgreich sein können". Das klingt nach Arbeitszeugnis, ist aber eine Kampfansage.

Spekulationen bei TSG Hoffenheim

Die Spekulationen über Schickers mögliche Abberufung nach dem Bayern-Spiel werfen ein grelles Licht auf die Zustände bei der TSG. Christoph Henssler, der 29-jährige Interims-Klubchef mit Ultra-Vergangenheit, soll für Montag eine Gesellschafterversammlung einberufen haben. Im Raum steht eine Degradierung Schickers zum Sportchef ohne Geschäftsführer-Status. Es erscheint unwahrscheinlich, dass der 39-jährige Österreicher dabei mitspielt.

Was Ilzer mit seinem Vorstoß riskiert, ist erheblich. Er könnte seinen Job verlieren, noch bevor Schicker seinen verliert. Aber er hat offenbar kalkuliert, dass sein Wort in dieser Situation Gewicht hat. Ein Trainer, der mit einer zusammengewürfelten Mannschaft um die Champions-League-Plätze kämpft, ist nicht so leicht zu ersetzen wie ein Geschäftsführer.

Die Ironie dabei: Während Hoffenheim intern zerfällt, steht am Sonntag das Spiel beim Tabellenführer an. Ilzer formuliert das mit der ihm eigenen Nüchternheit: Seine Mannschaft mische in Regionen mit, "wo wir Teil einer Schießerei sind, aber selbst nur mit dem Buttermesser mitmischen". Gegen Bayern München wird das Buttermesser vermutlich nicht reichen. Aber darum geht es längst nicht mehr.

Es geht darum, ob ein Bundesligist seinen eigenen Erfolg sabotiert. Und ob ein Trainer bereit ist, dafür den Kopf hinzuhalten. Ilzer hat seine Antwort gegeben. Jetzt ist Hoffenheim am Zug.