Union Berlin plant mit weniger Geld und zeigt der Bundesliga, was Vernunft bedeutet
Das Beispiel zeigt, dass wirtschaftliche Vernunft und sportlicher Ehrgeiz sich nicht ausschließen müssen
Union Berlin macht etwas, das im deutschen Profifußball selten geworden ist: Der Klub plant mit weniger Geld, obwohl er gerade mehr verdient hat als jemals zuvor. 191,66 Millionen Euro Umsatz in der abgelaufenen Saison, ein neuer Rekord für die Köpenicker. Und trotzdem kalkuliert die Vereinsführung für die laufende Spielzeit mit rund 183 Millionen Euro. Das ist kein Rechenfehler, das ist Haltung.
In einer Branche, die sich regelmäßig an Fantasiezahlen berauscht und Transferbudgets auf Basis von Einnahmen plant, die noch gar nicht existieren, wirkt diese Zurückhaltung fast schon anachronistisch. Andere Klubs würden den Rekordumsatz als Argument nutzen, um den nächsten teuren Spieler zu verpflichten oder die Gehaltsspirale weiter nach oben zu drehen. Union macht das Gegenteil. Der Verein rechnet mit dem, was realistisch ist – und das bedeutet in einer Saison ohne europäischen Wettbewerb eben weniger Einnahmen.
Die zweite Spielzeit in Folge ohne internationales Geschäft hinterlässt Spuren in der Bilanz. Das ist keine Schande, das ist Mathematik. Wer nicht in der Champions League oder Europa League spielt, kassiert keine Prämien, verkauft keine zusätzlichen Tickets, generiert keine Extra-Reichweite für Sponsoren. Union hat das verstanden und zieht die richtigen Schlüsse daraus. Der Gewinn schrumpft auf 0,45 Millionen Euro, aber das Eigenkapital wächst auf über acht Millionen. Das ist solides Wirtschaften, keine Krise.
Dass der Verein kurz vor seinem 60. Geburtstag steht, passt ins Bild. Union Berlin hat in sechs Jahrzehnten gelernt, mit Widrigkeiten umzugehen. Der Klub musste nie auf Pump leben, weil er nie die Mittel dazu hatte. Diese DNA ist geblieben, auch wenn die Umsätze inzwischen dreistellige Millionenbeträge erreichen. Die Mitgliederversammlung musste verschoben werden, weil zu viele Menschen kommen wollten. Auch das erzählt eine Geschichte über diesen Verein.
Union Berlin zeigt, dass wirtschaftliche Vernunft und sportlicher Ehrgeiz sich nicht ausschließen müssen. Der Klub wird nicht abstürzen, weil er einen Rekordumsatz nicht sofort wieder ausgibt. Er wird auch nicht aufsteigen in die absolute Spitze, weil er keine Risiken eingeht, die andere eingehen. Aber er wird existieren. Stabil, eigenständig, schuldenfrei. In einer Liga, in der Traditionsvereine reihenweise in finanzielle Schieflage geraten, ist das mehr wert als jeder Transfercoup.