Union Berlin hat sich den Abstiegskampf selbst zuzuschreiben
Vier Punkte trennen die Köpenicker vom Relegationsplatz. Neun Spiele bleiben, um zu beweisen, dass Charakter mehr ist als ein Wort.
„Aufwachen! Aufwachen!" – wenn die treuesten Fans eines Klubs diese Worte skandieren, ist das kein Weckruf mehr. Es ist eine Diagnose. Union Berlin hat gegen Werder Bremen 1:4 verloren, und ich sehe einen Verein, der sich selbst in diese Lage gebracht hat. Nicht das Schicksal, nicht der Schiedsrichter, nicht das Pech. Die Köpenicker selbst.
Vier Punkte trennen Union noch vom Relegationsplatz. Steffen Baumgart sagt, das Team habe sich diese schwierige Phase selbst zuzuschreiben. Ich schätze diese Ehrlichkeit, aber sie allein rettet niemanden vor dem Abstieg. Die Rückrunde der Berliner ist bislang überaus enttäuschend verlaufen, und wer nach einem 1:4 zu Hause von Charakter spricht, muss diesen Charakter in den verbleibenden neun Spielen auch zeigen.
Natürlich wird über die Rote Karte gegen András Schäfer diskutiert. Baumgart hält die Entscheidung von Schiedsrichter Timo Gerach für maximal eine Gelbe Karte. Ich verstehe den Frust, aber diese Debatte führt in die falsche Richtung. Union lag nach dem Platzverweis in der 19. Minute durch einen Foulelfmeter von Derrick Köhn sogar in Führung. Die Mannschaft hatte trotz Unterzahl die Chance, etwas mitzunehmen. Sie hat es nicht geschafft. Das ist der eigentliche Befund.
Geschäftsführer Horst Heldt bringt es auf den Punkt: Union hätte einen Satz nach vorne machen können, stattdessen steckt der Klub jetzt mittendrin im Abstiegskampf. Unfassbar ärgerlich nennt er das. Ich nenne es selbstverschuldet. Wer in der Bundesliga überleben will, darf sich nicht darauf verlassen, dass Schiedsrichterentscheidungen immer fair ausfallen oder dass die Konkurrenz patzt. Wer überleben will, muss selbst liefern.
Die Reaktion der Fans auf der Waldseite zeigt, dass die Anhänger verstanden haben, was auf dem Spiel steht. Baumgart betont, es gebe keinen Riss zwischen Team und Anhang. Das mag stimmen, aber Verständnis allein schafft keine Punkte. Die Fans fordern zu Recht, dass ihre Mannschaft aufwacht. Die Frage ist, ob dieses Aufwachen noch rechtzeitig kommt.