TSG Hoffenheims Revision in eigener Sache: Selbstentlastung statt Transparenz

Dietmar Hopp sieht nach externer Überprüfung keinen Anlass für Rechtsmittel.

TSG Hoffenheims Revision in eigener Sache: Selbstentlastung statt Transparenz
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Dietmar Hopp lässt eine externe Kanzlei die Kommunikations- und Entscheidungsprozesse bei der TSG Hoffenheim überprüfen. Das Ergebnis: keine rechtlichen Schritte notwendig. Die Erkenntnisse sollen helfen, den Verein sportlich und wirtschaftlich zu stärken. Klingt nach einem sauberen Abschluss. Ist es aber nicht.

Was Hopp hier präsentiert, ist eine Revision, die er selbst in Auftrag gegeben hat. Eine Prüfung, deren Ergebnis er selbst verkündet. Eine Entlastung, die er sich selbst ausstellt. Das mag juristisch einwandfrei sein. Aber es ist das Gegenteil von Transparenz.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Im vergangenen Jahr verließen der Vorsitzende der Geschäftsführung Markus Schütz und Finanzchef Frank Briel den Verein. Präsident Jörg Albrecht trat aus gesundheitlichen Gründen zurück. Drei Führungskräfte, die als Kritiker des Spielerberaters Roger Wittmann galten – einem engen Freund Hopps. Große Teile der Fans hatten sich seit langer Zeit gegen Wittmann positioniert. Die Querelen in der Führungsetage waren massiv.

Und jetzt? Eine externe Revision, die „erfreulicherweise früher als ursprünglich geplant" abgeschlossen wurde. Keine Details. Keine Veröffentlichung der Ergebnisse. Keine unabhängige Einordnung. Stattdessen die Botschaft: Alles in Ordnung, wir machen weiter.

Hoffenheim: Revision provoziert neue Fragen

Das Problem ist nicht, dass Hopp keine rechtlichen Schritte einleitet. Das Problem ist, dass diese Revision mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Welche Prozesse wurden genau geprüft? Welche Rolle spielte der Einfluss Wittmanns? Warum mussten drei Führungskräfte gehen, wenn doch alles korrekt ablief?

Hopp erklärt, ihm sei es „sehr wichtig" gewesen, sein eigenes Vertrauen und das der Fans zu bestätigen. Doch Vertrauen entsteht nicht durch Selbstbestätigung. Vertrauen entsteht durch Offenheit, durch nachvollziehbare Entscheidungen, durch die Bereitschaft, sich auch unbequemen Fragen zu stellen.

Die TSG Hoffenheim ist ein Konstrukt, das ohne Hopp nicht existieren würde. Das ist legitim, das ist legal, das ist im deutschen Fußball durch die 50+1-Ausnahme gedeckt. Aber gerade deshalb trägt Hopp eine besondere Verantwortung. Wer einen Verein faktisch kontrolliert, muss sich an höheren Maßstäben messen lassen als andere.

Diese Revision war eine Chance, Klarheit zu schaffen. Stattdessen bleibt der Eindruck einer Inszenierung. Die internen Prozesse sollen verbessert werden, heißt es. Das klingt nach Zukunft. Aber ohne Aufarbeitung der Vergangenheit bleibt es eine leere Formel.

Hoffenheim hat ein Führungsproblem. Und dieses Problem heißt nicht Schütz, nicht Briel, nicht Albrecht. Es heißt: fehlende Gewaltenteilung. Solange ein Mäzen gleichzeitig Geldgeber, Entscheider und oberster Richter ist, wird sich daran nichts ändern. Egal, wie viele Revisionen er in Auftrag gibt.