Trump macht Messis MLS-Triumph zur Bühne für seine politische Agenda
Der Empfang im Weißen Haus zeigt: Der US-Fußball bleibt ein Versprechen, das vor allem der Macht dient – nicht dem Sport.
Ein Trikot mit der Nummer 47, überreicht im Weißen Haus, pinker Stoff, politische Bühne. Ich schaue mir diese Bilder aus Washington an und frage mich: Was erzählt dieser Empfang eigentlich über den Zustand des amerikanischen Fußballs – und was über die Instrumentalisierung von Sport durch Macht?
Donald Trump empfängt Lionel Messi und Inter Miami nach dem Gewinn des MLS Cup. Soweit die Nachricht. Doch der Präsident eröffnet die Zeremonie nicht mit Glückwünschen, sondern mit Kommentaren zum Militäreinsatz im Nahen Osten. Ich halte das für bezeichnend. Der Sport dient hier als Kulisse, nicht als Anlass. Messi, der beste Fußballer seiner Generation, steht neben einem Präsidenten, der den Moment nutzt, um seine außenpolitische Agenda zu platzieren. Das ist kein Zufall, das ist Kalkül.
Trump vergleicht Messi mit Pelé, den er in den 1970er-Jahren bei New York Cosmos gesehen haben will. Er sagt, Messi sei vielleicht besser. Ich finde diesen Vergleich interessant, weil er eine Kontinuität suggeriert, die es so nicht gibt. Pelés Zeit bei Cosmos war ein kurzes Strohfeuer, ein Marketing-Experiment, das den amerikanischen Fußball nicht nachhaltig verändert hat. Die MLS von heute ist ein anderes Produkt, professioneller, globaler vernetzt, aber immer noch weit entfernt von den europäischen Topligen. Trump inszeniert den MLS-Cup-Sieg als Beweis für die wachsende Bedeutung des US-Fußballs. Ich sehe darin vor allem den Wunsch, amerikanische Größe zu behaupten, wo sie sich erst noch beweisen muss.
Klub-Mitbesitzer Jorge Mas geht noch weiter. Er erklärt, Inter Miami habe die Kultur des Fußballs in den Vereinigten Staaten für immer verändert. Ich halte diesen Anspruch für überzogen. Ein MLS-Titel, gewonnen mit einem 3:1 gegen Vancouver, ist ein Erfolg. Aber eine kulturelle Revolution? Die MLS kämpft weiterhin um Aufmerksamkeit neben NFL, NBA und MLB. Messis Ankunft hat Schlagzeilen gebracht, Trikots verkauft, Stadien gefüllt. Ob das nachhaltig wirkt, wenn Messi nicht mehr spielt, bleibt offen.
Was mich an diesem Empfang stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Sport und Politik hier verschmelzen. Trump würdigt Spieler wie Luis Suárez, Tadeo Allende und Rodrigo De Paul. Er verteilt Lob wie Wahlkampfgeschenke. Die Spieler stehen da, lächeln, nehmen die Ehrung entgegen. Ich frage mich, ob ihnen bewusst ist, dass sie Teil einer Inszenierung sind, die wenig mit ihrem sportlichen Verdienst zu tun hat.