Totales Saudi-Chaos: Ist Cristiano Ronaldo jetzt Gewerkschaftsführer?

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel ordnet die aktuelle Nachrichtenlage rund um den streikenden Ex-Weltfußballer ein

Totales Saudi-Chaos: Ist Cristiano Ronaldo jetzt Gewerkschaftsführer?
Imago / LaPresse

Die vergangenen Tage waren ein Fest sowohl für jeden Cristiano-Ronaldo-Hasser als auch für jeden Cristiano-Ronaldo-Fan. Es ratterte dermaßen vor lauter krassen Nachrichten, dass sich einerseits CR7-Hasser in ihrer Ansicht bestätigt sahen, der Portugiese sei ein elender Ego-Abzocker, und gleichzeitig seine Fans verliebt säuselten: Was für ein guter Mensch!

Das muss man erst mal hinkriegen.

Tatsache ist: Cristiano Ronaldo war bei seinem Klub Al-Nassr, dem Zweiten des Saudi Professional League, in den Streik getreten. Streik! Die Schlagzeilen kamen aus dem Nichts, und sie waren groß wie die Abwehrlöcher in Heidenheim.

Dazu muss man wissen: In Saudi-Arabien zu streiken ist mutig, nämlich verboten, und wird bestraft, zum Beispiel mit Gefängnis oder Entzug des Privatjets. CR7 streikte trotzdem – vermutlich, weil er eine Art Diplomatenstatus genießt.

Aber warum streikte der Ex-Weltfußballer überhaupt? Hier gehen die Meinungen auseinander.

Der erste Gedanke, den man hat, wenn man von einem streikenden Fußballer hört, ist natürlich immer: Er möchte mehr Geld haben. Dieser Grund fällt bei CR7 weg, weil es schlicht unmöglich ist, noch mehr zu verdienen als er.

Schnell hieß es, Ronaldo streike, weil seine Mannschaft zuletzt nicht angemessen verstärkt worden sei – zum Beispiel verpflichtete Tabellenführer Al-Hilal kürzlich den Franzosen Karim Benzema (38), der auch sofort mehrmals das Tor traf.

Doch dann schrieb plötzlich die gewöhnlich gut informierte, portugiesische Sport-Tageszeitung A Bola, Ronaldo wolle aus einem ganz, ganz anderen Grund nicht mehr spielen: Weil einige Mitspieler und der Trainerstab ihr Gehalt nicht bekommen haben!

Das wäre natürlich sehr ehrenhaft.

Ist CR7 also ein Abzocker, oder wird er auf seine alten Tage zum Gewerkschaftsführer?

So genau weiß ich das nicht, die Nachrichtenlage bleibt unübersichtlich. Das nächste Gerücht: Der 41-Jährige, der diese Saison 18 Tore in 22 Pflichtspielen für Al-Nassr schoss, wolle einen Wechsel zu Sporting Lissabon, seinem Jugendklub, erzwingen.

"Cristiano Ronaldos Auseinandersetzung mit der saudischen Herkunft könnte Klausel aktivieren und seinen Abschied von Al-Nassr vorziehen", titelte der unter KI-Verdacht stehende Nachrichtenkanal mixvale.com kryptisch in der längsten Überschrift, die ich je gesehen habe.


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Das ergäbe natürlich Sinn. Dafür könnte dann zum Beispiel der mit einer entsprechenden Ausstiegsklausel ausgestattete Bayern-Stürmer Harry Kane nach Saudi-Arabien wechseln, schrieb der "kicker" gestern. Ein wenig Blutauffrischung täte der Liga gut, Kane ist ja erst 32, er könnte also fast der Sohn von CR7 sein.

Ronaldos Ex-Kollege Toni Kroos hat sich übrigens ebenfalls in die Diskussion eingeschaltet. Er gab zu bedenken, dass ohne Ronaldo "niemand die saudische Pro League sehen würde", was für mich nicht gilt, denn ich sehe sie ja auch mit Ronaldo nicht, ich schreibe lediglich Kolumnen darüber, aber egal.

Es fehlt jetzt eigentlich nur noch, dass sich der sturmschwache FC St. Pauli nach der Verletzung von Angreifer Ricky-Jade Jones einschaltet und Ronaldo ein Angebot unterbreitet. Das würde passen: Genossen- und Gewerkschaftler sind am Millerntor wohlgelitten, auf der Reeperbahn sind Bentleys und Ferraris sowieso Standard – nur findet man selten jemanden, der beides bieten kann.

Georgina Rodríguez (72 Millionen Follower bei Instagram) beeindruckt die ganze Angelegenheit derweil null-zu-null. Ronaldos Lebensgefährtin postete diese Woche Familienfotos vom hauseigenen Privatjet, einer saudischen Indoor-Skipiste, vom weißen Familien-Ferrari, einem Ausflug zu den Pyramiden und natürlich von ihrem Schatz Cristiano, wie er gerade auf irgendwelche Zettel schaut, die aber keine Verträge, sondern eher Malereien seiner danebenstehenden Tochter zu sein scheinen.

Das ist alles sowas von nicht von dieser Welt: Man muss es einfach lieben.

Fortsetzung folgt.