Ter Stegen zeigt beim Abschied von Barcelona, was wahre Größe bedeutet

Der Wechsel zu Girona ist ein wichtiges Signal für seine WM-Ambitionen, die Art seiner Abschiedsworte für seinen Charakter.

Ter Stegen zeigt beim Abschied von Barcelona, was wahre Größe bedeutet
IMAGO/NurPhoto

Marc-André ter Stegen geht, und er geht mit Würde. Nach fast zwölf Jahren beim FC Barcelona verabschiedet sich der deutsche Nationaltorhüter mit Worten, die man ihm abnimmt. Keine Phrasen, keine Vorwürfe, keine Bitterkeit. Stattdessen Dankbarkeit für einen Verein, der ihn geprägt hat wie kein anderer. "Der FC Barcelona ist immer in meinem Herzen", verlautbarte er.

Das verdient Respekt. Denn ter Stegen hätte allen Grund, anders zu reagieren. Er kam 2014 aus Mönchengladbach, wurde zum Rückhalt einer Mannschaft, die große Titel holte, stieg 2024 sogar zum Kapitän auf. 423 Spiele für Barcelona, das ist eine Hausnummer. Und jetzt? Abstellgleis. Eine schwere Knieverletzung, eine Rückenoperation, dann der Verlust des Stammplatzes unter Hansi Flick. In dieser Saison kam ter Stegen nur einmal zum Einsatz, im Pokal. Für einen Torhüter seines Formats ist das eine Demütigung.

Doch ter Stegen jammert nicht. Er handelt. Der Wechsel auf Leihbasis zum FC Girona bis Saisonende ist die logische Konsequenz seiner Situation. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat unmissverständlich klargemacht, was er von seinen Torhütern erwartet: Spielpraxis. Wer bei der WM zwischen den Pfosten stehen will, muss vorher gespielt haben. So einfach ist das. Ter Stegen hat verstanden.

Ter Stegen und seine emotionale Bindung zum FC Barcelona

Die emotionale Bindung zu Barcelona, die er in seinem Instagram-Post beschreibt, wirkt authentisch. Fast zwölf Jahre in einer Stadt, in einer Region, in einem Verein – das hinterlässt Spuren. Ter Stegen spricht von der Umkleidekabine als seinem Zuhause, von Momenten, die niemals verblassen werden. Das sind keine leeren Worte eines Profis, der seinen Marktwert pflegt. Das ist die ehrliche Bilanz eines Spielers, der weiß, dass ein Kapitel endet.

Gleichzeitig zeigt sein Abschied die Härte des Profifußballs. Loyalität wird nicht belohnt. Verdienste schützen nicht vor dem Abstieg in der internen Hierarchie. Ter Stegen war Kapitän, Identifikationsfigur, Leistungsträger. Und trotzdem musste er gehen, um seine Karriereziele zu verfolgen. Barcelona hat ihm keine Perspektive mehr geboten.

Der Wechsel nach Girona ist ein Wagnis. Der katalanische Klub spielt eine ordentliche Saison, aber er ist nicht Barcelona. Ter Stegen muss sich neu beweisen, in einem anderen Umfeld, mit anderen Ansprüchen. Ob ihm das gelingt, wird die Zeit zeigen.

Was bleibt, ist das Bild eines Profis, der auch im Moment des Abschieds Haltung bewahrt. Ter Stegen wünscht seinem ehemaligen Team weitere Trophäen, bedankt sich für gemeinsame Jahre, für Lachen und Kämpfe. Das ist Klasse. Und es zeigt, warum dieser Torhüter mehr ist als nur ein guter Fußballer. Er ist ein Charakter.