Spielerberater-Debatte im Profifußball: Die Klubs haben das Problem selbst geschaffen

Der Bayern-Sportvorstand mahnt zur Besonnenheit. Doch wer hat die Provisionen in die Höhe getrieben? Die Vereine selbst.

Spielerberater-Debatte im Profifußball: Die Klubs haben das Problem selbst geschaffen
IMAGO/RHR-Foto

Max Eberl spricht von einem Boot, das nicht kentern darf. Er mahnt zur Besonnenheit, warnt vor Populismus und erklärt Spielerberater für wichtig und richtig. Ich höre diese Worte und frage mich: Wer genau soll hier eigentlich besänftigt werden?

Die Debatte über Berater im Profifußball ist nicht neu, aber sie hat zuletzt an Schärfe gewonnen. Uli Hoeneß hat sich eingeschaltet, prominente Spielervertreter haben zurückgeschossen, und mittendrin steht Eberl als Sportvorstand des FC Bayern und versucht, die Wogen zu glätten. Sein Bild von den begrenzten Paddeln, die für die finanziellen Möglichkeiten stehen sollen, klingt einleuchtend. Wenn keiner mehr rudert, bewegt sich nichts. Das Problem ist nur: Dieses Boot hat längst Schlagseite, und die Frage ist nicht, ob es kentert, sondern wer es in diese Lage gebracht hat.

Eberl hat recht, wenn er sagt, dass Spielerverträge komplex geworden sind. Die rechtlichen Anforderungen, die internationalen Transfers, die Vermarktungsstrukturen – all das erfordert professionelle Begleitung. Niemand erwartet ernsthaft, dass ein 19-jähriger Spieler ohne Unterstützung mit den Rechtsabteilungen von Großklubs verhandelt. Insofern ist der pauschale Ruf, Berater abzuschaffen, tatsächlich populistisch und realitätsfern.

Aber Eberl selbst benennt den wunden Punkt: die Honorierung. Und genau hier wird es interessant. Denn wer hat denn die Provisionen in astronomische Höhen getrieben? Es waren nicht die Berater allein. Es waren die Vereine, die sich gegenseitig überboten haben, die Spieler um jeden Preis wollten, die Berater mit immer größeren Summen lockten, um Deals abzuschließen. Die Klubs haben das System mitgeschaffen, von dem sie sich jetzt bedroht fühlen.

Wenn Eberl sagt, ein Verein habe immer die Kraft zu sagen, er wolle etwas nicht, dann stimmt das formal. Praktisch aber haben sich die großen Klubs in eine Abhängigkeit manövriert, die sie nun beklagen. Das Boot, von dem Eberl spricht, wurde nicht von außen beschädigt. Die Löcher wurden von innen gebohrt – von Vereinen, die im Wettbewerb um Spieler jede Grenze überschritten haben.

Ich nehme Eberl seine Sorge ab. Aber Appelle an Besonnenheit reichen nicht. Wer das System ändern will, muss bereit sein, selbst anders zu handeln. Die Frage ist nicht, ob alle im selben Boot sitzen. Die Frage ist, ob die Vereine bereit sind, ihre eigenen Ruder anders einzusetzen – oder ob sie weiter darauf warten, dass andere zuerst aufhören zu paddeln.