Simpson-Pusey ist keine Verstärkung, sondern eine Wette aus der Not
Der 1. FC Köln reagiert auf Abwehr-Engpass mit Leihgabe von Manchester City.
Der 1. FC Köln handelt. Und das ist in dieser Situation das Mindeste, was man von einem Bundesligisten erwarten darf, der seine Abwehrzentrale durch Verletzungen dezimiert sieht. Timo Hübers fällt nach seiner schweren Knieverletzung langfristig aus, Joel Schmied laboriert an muskulären Problemen. Die Verpflichtung von Jahmai Simpson-Pusey per Leihe von Manchester City ist die logische Konsequenz aus einer Notlage, die keinen Aufschub duldete.
Doch Logik allein macht noch keinen guten Transfer. Die Frage, die sich stellt: Was kann dieser 20-Jährige dem FC tatsächlich geben? Die Bilanz ist durchwachsen. Sechs Profi-Einsätze unter Pep Guardiola klingen beeindruckend, doch sie entstanden in einer Phase, in der Manchester City selbst massive Personalprobleme hatte. Die anschließende Leihe zu Celtic Glasgow, immerhin schottischer Meister, brachte exakt einen Einsatz. Ein einziger. Das ist keine Empfehlung, das ist ein Warnsignal.
Sportdirektor Thomas Kessler spricht von Motivation und Ehrgeiz, von personeller Breite und internem Konkurrenzkampf. Das sind die üblichen Phrasen, die jeden Wintertransfer begleiten. Sie verschleiern, dass Köln hier eine Wette eingeht. Eine Wette darauf, dass ein Talent, das sich in Schottland nicht durchsetzen konnte, ausgerechnet in der Bundesliga den Durchbruch schafft. Die Liga verzeiht Fehler weniger gnädig als die Scottish Premiership.
Die kolportierte Kaufoption für den Sommer zeigt immerhin, dass der FC über den Januar hinaus denkt. Sollte Simpson-Pusey überzeugen, hätte Köln die Möglichkeit, einen City-Spieler dauerhaft zu binden. Das wäre dann tatsächlich ein Coup. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, gepflastert mit Bewährungsproben gegen Heidenheim und Bayern München in den kommenden Tagen.
Was für Simpson-Pusey spricht: Er ist hungrig. Ein Spieler, der bei Celtic auf der Bank versauert ist, wird in Köln jede Chance nutzen wollen. Die Auszeichnung als bester Spieler der Premier League 2 belegt sein Potenzial im Nachwuchsbereich. Ob das reicht für die Bundesliga, muss er beweisen.
Der FC Köln hat keine Alternative. Mit Rav van den Berg rotgesperrt und den genannten Verletzungen bleibt die Defensive ausgedünnt. Simpson-Pusey ist keine Verstärkung aus einer Position der Stärke, sondern eine Notlösung mit Entwicklungspotenzial. Das ist ehrlich, auch wenn es niemand so sagen wird.
Am Ende wird dieser Transfer daran gemessen werden, ob Simpson-Pusey Spielzeit bekommt und was er daraus macht. Der Neustart, von dem er selbst spricht, ist seine letzte Chance in dieser Saison. Köln bietet ihm die Bühne. Jetzt muss er liefern.