Sebastian Kehls Realismus ist genau das, was der BVB jetzt braucht

Der BVB-Sportdirektor fordert mehr Leistung, trotz Schlotterbecks Meister-Ansage.

Sebastian Kehls Realismus ist genau das, was der BVB jetzt braucht
IMAGO/Jan Huebner

Sebastian Kehl hat am Samstagabend etwas getan, was in der aufgeheizten Welt des deutschen Fußballs selten geworden ist: Er hat die Kirche im Dorf gelassen. Während sein Verteidiger Nico Schlotterbeck nach dem 3:2 gegen Heidenheim bereits die Meisterschaft ausrief, bremste der Sportdirektor mit einer Nüchternheit, die dem BVB gut zu Gesicht steht.

Schlotterbeck hatte verkündet, der BVB müsse den Fans sagen, dass man Meister werden wolle. Sechs Punkte Rückstand auf Bayern München, jetzt werde angegriffen. Große Worte nach einem Spiel, das alles andere als ein Beweis für Titelambitionen war. Ein mühsamer Sieg gegen Heidenheim, bei dem die Dortmunder zur Halbzeit 1:1 standen und sich am Ende mit einem knappen Ergebnis begnügen mussten.

Kehl erkannte das sofort. Er tue sich schwer, nach dieser Leistung auf Meister-Ansagen einzugehen, sagte er. Es mache auch keinen Sinn. Ihn bewege mehr die Leistung als die Perspektive Richtung Mai. Das ist keine Kapitulation, das ist Realismus. Und genau dieser Realismus unterscheidet erfolgreiche Sportdirektoren von jenen, die sich von der Euphorie des Moments mitreißen lassen.

BVB hat Qualitätsproblem

Die Wahrheit ist: Der BVB hat ein Qualitätsproblem. Nicht im Kader, sondern in der Konstanz. Wer gegen Heidenheim so wackelt, der darf nicht von der Meisterschaft träumen. Er muss an den Grundlagen arbeiten. Kehl formulierte es unmissverständlich: Besser Fußball spielen, Spiele klarer gewinnen, an sich arbeiten. Erst dann könne man über andere Dinge nachdenken.

Der Spielplan gibt Kehl recht. Am 21. Februar wartet das schwere Auswärtsspiel bei RB Leipzig. Eine Woche später, am 28. Februar, kommt Bayern München nach Dortmund. Zwei Partien, die zeigen werden, ob der BVB wirklich Meisterschaftsformat hat oder ob Schlotterbecks Worte nur heiße Luft waren. Man kann die sechs Punkte Rückstand aufholen. Aber den Willen dazu muss man Woche für Woche zeigen.

Es ist nicht verwerflich, dass ein Spieler große Ziele formuliert. Ambition gehört zum Spitzensport. Aber es ist die Aufgabe der sportlichen Führung, diese Ambition in die richtigen Bahnen zu lenken. Kehl hat das getan. Er hat seinem Spieler nicht öffentlich widersprochen, aber er hat klargemacht, dass Ankündigungen ohne entsprechende Leistungen wertlos sind.