Schiri-Versprechen klingen nach Kosmetik

Schiedsrichter-Boss Knut Kircher gelobt Besserung nach den jüngsten Fehlern in der Bundesliga

Schiri-Versprechen klingen nach Kosmetik
IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Knut Kircher hat ein Problem, und er weiß es. Der Schiedsrichter-Chef der Bundesliga räumt ein, dass die jüngsten Fehlentscheidungen seiner Referees den guten Start nach der Winterpause trüben. Ein fader Beigeschmack, wie er selbst sagt. Das ist bemerkenswert ehrlich für einen Funktionär in seiner Position. Aber reicht Ehrlichkeit?

Die Antwort, die Kircher liefert, klingt nach dem üblichen Krisenmanagement: Die Fälle seien klar besprochen und analysiert worden. Man gehe davon aus, solche Fehler idealerweise gar nicht mehr zu sehen, zumindest nicht mehr in dieser Häufung. Das ist eine Formulierung, die alles und nichts verspricht. Idealerweise. Zumindest. In dieser Häufung. Wer so redet, sichert sich nach allen Seiten ab.

Dabei ist die Diagnose richtig: Es gibt keine Schablonen-Lösung, die künftig alle Fehler verhindert. Menschen machen Fehler, an der Pfeife wie an den VAR-Bildschirmen. Das ist keine Ausrede, sondern eine Tatsache. Die Frage ist nur, was daraus folgt. Kircher betont, die Leistungen seien insgesamt nicht instabil, man müsse nur punktuell nachbessern. Das klingt nach Kosmetik, nicht nach Grundsatzarbeit.

Ein digitales Austausch-Format am Donnerstag, bei dem Vorgaben und Kriterien in Sachen Einheitlichkeit noch mal nähergebracht wurden. Ein Trainingslager Ende Februar, Anfang März, das für Klarheit und Orientierung sorgen soll. Das sind die konkreten Maßnahmen, die Kircher ankündigt. Sie mögen sinnvoll sein, aber sie wirken wie Standardprogramm, nicht wie eine Reaktion auf eine akute Krise.

Das eigentliche Problem liegt tiefer. Die Bundesliga hat ein Vertrauensproblem mit ihren Schiedsrichtern, das sich nicht durch Videokonferenzen und Trainingslager lösen lässt. Jede strittige Szene wird millionenfach analysiert, in Zeitlupe seziert, in sozialen Medien zerrissen. Die Erwartung an Perfektion ist gestiegen, die Fehlertoleranz gesunken. In diesem Umfeld wirkt jedes Versprechen auf Besserung wie ein Scheck, der nicht gedeckt ist.

Kircher gibt sich zuversichtlich, dass ein erfolgreicher Endspurt gelingen wird. Das ist sein Job. Aber Zuversicht ersetzt keine Ergebnisse. Die Schiedsrichter werden in den kommenden Wochen liefern müssen. Nicht idealerweise, sondern tatsächlich. Sonst bleibt von Kirchers Worten nur der fade Beigeschmack, den er selbst beklagt hat.