Sammer hat recht: Borussia Dortmund muss Kovac die Zeit geben, die er braucht

Der BVB-Berater sieht in Niko Kovac einen potenziellen Titel-Trainer für seinen Verein

Sammer hat recht: Borussia Dortmund muss Kovac die Zeit geben, die er braucht
IMAGO/Kirchner-Media

Matthias Sammer verteidigt Niko Kovac. Das allein ist schon eine Nachricht. Der Klubberater, der beim BVB selten mit Lob um sich wirft und dessen kritische Analysen gefürchtet sind, stellt sich vor den Trainer. Mehr noch: Er traut ihm den großen Wurf zu. Kovac als Titel-Trainer für Borussia Dortmund – das ist eine steile These in einer Zeit, in der die Kritik am Kroaten lauter wird.

Vier Siege aus zehn Pflichtspielen, Unentschieden gegen den Hamburger SV, in Freiburg und gegen Bodö/Glimt, dazu das Pokal-Aus gegen Leverkusen: Die Bilanz der vergangenen Wochen liest sich nicht wie die eines Trainers, der den BVB zur Meisterschaft führen soll. Neun Punkte Rückstand auf Bayern München sind eine Hypothek, die sich kaum noch abtragen lässt. Und doch greift die pauschale Kritik zu kurz.

Sammer argumentiert mit Fakten, nicht mit Gefühlen. Weniger Gegentore, mehr erzielte Treffer, bessere Körperlichkeit, besserer Geist. Das sind messbare Verbesserungen, die Kovac seit seiner Übernahme im Februar 2025 erreicht hat. Der Berater erinnert daran, dass die Remis der jüngsten Vergangenheit in früheren Zeiten Niederlagen gewesen wären. Speziell in Hinrunden, wie er betont. Es ist ein Argument, das unbequem ist, weil es die Erwartungshaltung hinterfragt.

Kovac ist kein Ästhet, sondern Pragmatiker

Sammers Vergleich mit Hitzfeld, Heynckes und Ancelotti mag gewagt erscheinen, trifft aber einen Punkt. Keiner dieser Trainer hat den Fußball stilistisch revolutioniert. Sie haben gewonnen. Das sei das Wesentliche, sagt Sammer. Und er hat recht. Im deutschen Fußball wird zu oft über Spielphilosophie diskutiert, während die Ergebnisse in den Hintergrund rücken. Kovac ist kein Ästhet, er ist ein Pragmatiker. Das mag nicht jedem gefallen, aber es kann funktionieren.

Platz zwei in der Tabelle ist kein Misserfolg. Es ist die Ausgangslage, von der aus Dortmund in der Rückrunde angreifen kann. Sammer glaubt, dass mehr möglich ist als nur die Champions-League-Qualifikation. Er spricht von Begeisterung, Freude und dem Unbequemen, das nötig sei, um auf das i ein Pünktchen zu setzen. Es ist die Sprache eines Mannes, der weiß, was es braucht, um Titel zu gewinnen.

Die Frage ist nicht, ob Kovac ein guter Trainer ist. Die Frage ist, ob Dortmund ihm die Zeit gibt, die er braucht. Die Ungeduld im Umfeld ist groß, die Erwartungen sind es auch. Aber wer nach jeder Schwächephase den Stab bricht, wird nie erfahren, was möglich gewesen wäre. Sammer hat sich positioniert. Jetzt muss Kovac liefern.