Rudi Völlers WM-Botschaft trifft den richtigen Ton: Anspruch ohne Überheblichkeit

Der DFB-Sportdirektor sieht gute Chancen für Deutschland bei der WM.

Rudi Völlers WM-Botschaft trifft den richtigen Ton: Anspruch ohne Überheblichkeit
IMAGO/MIS

Rudi Völler wählt seine Worte mit Bedacht. Der DFB-Sportdirektor verspricht keinen WM-Titel, aber er sendet eine klare Botschaft: Diese deutsche Mannschaft ist kein Kanonenfutter. Beim Neujahrsempfang des Niedersächsischen Fußballverbands in Barsinghausen formulierte der Weltmeister von 1990 vor rund 190 Gästen einen Anspruch, der aufhorchen lässt. Wenn alle fit bleiben, sei Deutschland sehr schwer zu schlagen. Das ist keine Prahlerei, sondern eine nüchterne Einschätzung. Völler kennt die Fallstricke des internationalen Fußballs zu gut, um sich in Euphorie zu verlieren. Gleichzeitig weiß er, was er an seinem Kader hat. Die Mischung aus etablierten Kräften und hungrigen Talenten gibt ihm offensichtlich ein gutes Gefühl für das XXL-Turnier mit 48 Mannschaften, das vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet. Besonders die junge Generation macht Völler Hoffnung. Namen wie Lennart Karl, Said El Mala und Assan Ouédraogo stehen für eine Entwicklung, die der deutsche Fußball dringend brauchte. Diese Spieler drängen in die Nationalmannschaft, sie wollen sich beweisen. Völler gibt zu, dass Deutschland in der Masse vielleicht noch nicht mit Nationen wie Frankreich oder Spanien mithalten kann. Aber er fügt hinzu: Wir sind besser, als viele meinen. Diese Selbsteinschätzung ist bemerkenswert ehrlich. Der DFB-Sportdirektor verkauft keine Illusionen, er beschreibt eine Realität. Deutschland hat nach schwierigen Jahren wieder eine Perspektive entwickelt. Die Heim-EM 2024 hat gezeigt, dass diese Mannschaft funktionieren kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die Vorrundengruppe E bietet eine faire Ausgangslage. Mit dem WM-Neuling Curacao, der Elfenbeinküste und Ecuador warten machbare Aufgaben. Keine dieser Mannschaften gehört zur absoluten Weltspitze, aber Unterschätzung wäre fatal. Die Elfenbeinküste gewann zuletzt den Afrika-Cup, Ecuador verfügt über WM-Erfahrung. Curacao hingegen betritt Neuland auf der größten Bühne des Weltfußballs. Völlers Optimismus fußt auf einer simplen Erkenntnis: Deutschland hat wieder Substanz. Die Talente sind da, die Struktur stimmt, die Hierarchie im Team scheint geklärt. Was bleibt, ist die ewige Unbekannte des Fußballs – die Fitness. Völler hat diese Bedingung nicht zufällig betont. Verletzungen können jeden Turnierfavoriten aus der Bahn werfen. Der Sportdirektor hat die richtige Tonlage gefunden. Nicht überheblich, nicht verzagt. Deutschland fährt zur WM mit dem Anspruch, weit zu kommen. Ob das reicht für den fünften Stern, wird sich zeigen. Aber die Richtung stimmt.