Nottingham Forest zerlegt sich selbst – und der Eigentümer ist das Problem

Forest entlässt Dyche nach nur vier Monaten – dritter Trainerwechsel der Saison.

Nottingham Forest zerlegt sich selbst – und der Eigentümer ist das Problem
IMAGO/Action Plus

Drei Trainer in einer Saison. Nottingham Forest schreibt gerade ein Lehrstück darüber, wie man einen Klub systematisch destabilisiert. Das 0:0 gegen Schlusslicht Wolverhampton war nur der letzte Tropfen, der Sean Dyches kurze Amtszeit beendete. Weniger als vier Monate durfte der erfahrene Coach arbeiten. Das reicht nicht einmal, um eine Mannschaft kennenzulernen, geschweige denn sie zu formen.

Die nackte Tabellensituation wirkt dabei fast noch gnädig. Drei Punkte über der Abstiegszone, Platz 17 – das ist prekär, aber kein Grund zur Panik. Andere Klubs haben aus schlechteren Positionen die Klasse gehalten. Doch bei Forest geht es längst nicht mehr um sportliche Logik. Es geht um ein Muster, das sich verfestigt hat.

Evangelos Marinakis führt seinen Klub wie ein Unternehmer, der bei jedem Quartalsbericht die Geschäftsführung austauscht. Nuno Espirito Santo führte Forest in der Vorsaison noch in die Europa League, ein bemerkenswerter Erfolg für einen Aufsteiger. Dann kam es zu Transferstreitigkeiten, und der Portugiese musste gehen. Ange Postecoglou hielt sich gerade einmal 39 Tage. Nun also Dyche, der dritte Abgang dieser Spielzeit.

Das Problem liegt nicht bei den Trainern. Das Problem sitzt in der Führungsetage. Wer drei verschiedene Coaches in wenigen Monaten verschleißt, hat entweder keine Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll, oder er ist nicht bereit, jemandem die Zeit zu geben, diese Vorstellung umzusetzen. Beides ist fatal.

Die Partie gegen Wolverhampton illustrierte das Dilemma auf dem Platz. 35 Abschlüsse, kein Tor. Das spricht für eine Mannschaft, die verunsichert ist, der die Klarheit fehlt. Solche Blockaden löst man nicht durch einen neuen Namen an der Seitenlinie. Man löst sie durch Kontinuität, durch Vertrauen, durch einen Plan, der länger als ein paar Wochen trägt.

Vor Forest liegen nun das Europa-League-Duell bei Fenerbahce Istanbul und das Liga-Spiel gegen Liverpool. Zwei Aufgaben, die selbst für einen eingespielten Kader anspruchsvoll wären. Für eine Mannschaft im permanenten Ausnahmezustand sind sie eine Zumutung.

Marinakis wird einen neuen Trainer finden. Die Frage ist nur, welcher ambitionierte Coach sich noch auf dieses Experiment einlässt. Wer bei Forest unterschreibt, weiß jetzt, dass seine Halbwertszeit in Wochen gemessen wird. Das schreckt die Besten ab und lockt die Verzweifelten an. Kein gutes Rezept für einen Klub, der eigentlich alle Voraussetzungen hätte, sich in der Premier League zu etablieren.