Nottingham Forest behandelt Trainer wie Verschleißteile

Vier Trainer in einer Saison zeigen: Hier fehlt kein guter Coach, sondern ein Konzept. Hoffnung ist keine Strategie.

Nottingham Forest behandelt Trainer wie Verschleißteile
IMAGO/Pro Sports Images

Vier Trainer in einer Saison. Nottingham Forest hat mit Vitor Pereira den nächsten Mann auf die Bank gesetzt, und ich frage mich ernsthaft, ob irgendjemand in der Führungsetage dieses Klubs noch einen Plan hat – oder ob dort einfach nur Panik regiert.

Die Fakten sprechen eine brutale Sprache: Nach Nuno Espirito Santo, Ange Postecoglou und Sean Dyche soll jetzt der Portugiese richten, was seine Vorgänger nicht geschafft haben. Tabellenplatz 17, drei Punkte Vorsprung auf den Abstieg. Das ist die Bilanz eines Vereins, der offenbar glaubt, dass Stabilität ein Fremdwort ist und Kontinuität etwas für Verlierer.

Meine These ist simpel: Dieser Trainerverbrauch ist kein Zeichen von Entschlossenheit, sondern von Orientierungslosigkeit. Wer viermal in einer Spielzeit den Coach wechselt, hat kein Konzept. Er hat Hoffnung. Und Hoffnung ist bekanntlich keine Strategie.

Pereira bringt Erfahrung mit, keine Frage. Bei den Wolverhampton Wanderers hat er in der vergangenen Saison den Abstieg verhindert. Das klingt nach einem Mann für schwierige Missionen. Doch die Wolves trennten sich im November von ihm, obwohl er sie gerettet hatte. Jetzt sind sie Tabellenletzter. Das Muster ist erkennbar: Trainer werden geholt, um Feuerwehr zu spielen, und entsorgt, sobald die nächste Krise kommt. Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Was mich an dieser Personalie besonders irritiert, ist die Vertragslaufzeit bis 2027. Ein Dreijahresvertrag für einen Trainer, dessen Vorgänger zusammengerechnet keine volle Saison überstanden haben. Entweder glaubt die Klubführung tatsächlich an eine längerfristige Zusammenarbeit – was angesichts der eigenen Historie absurd wäre. Oder der Vertrag ist nichts weiter als eine teure Absicherung für den Fall, dass auch Pereira scheitert.

Der Profifußball hat ein strukturelles Problem mit der Trainerposition. Verantwortung wird delegiert, nicht geteilt. Wenn es läuft, feiern sich Vorstände und Eigentümer. Wenn es nicht läuft, muss der Coach gehen. Nottingham Forest ist dafür nur das extremste Beispiel dieser Saison, aber bei weitem nicht das einzige.

Pereira wird sein Debüt im Europa-League-Play-off bei Fenerbahce Istanbul geben. Ein Auswärtsspiel in der Türkei als Einstand – das ist kein sanfter Einstieg. Doch selbst wenn er dort gewinnt, bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wie lange darf er bleiben, wenn die nächsten drei Ligaspiele verloren gehen?

Die Wahrheit ist unbequem: Nottingham Forest behandelt Trainer wie Verschleißteile. Und solange das so bleibt, wird kein Coach der Welt diesen Klub stabilisieren können. Die Frage ist nicht, ob Pereira scheitern wird. Die Frage ist, ob die Verantwortlichen endlich begreifen, dass sie selbst das Problem sind.