Niclas Füllkrugs Milan-Leihe wird zur Sackgasse und gefährdet seinen WM-Traum
Der Stürmer sitzt bei Milan auf der Bank, während Nagelsmann klare Ansagen macht. Die Zeit für eine Wende wird knapp.
Niclas Füllkrug gewinnt sein erstes Mailänder Derby, und ich frage mich: Was bringt ihm das eigentlich? Der deutsche Stürmer sitzt beim 1:0 gegen Inter bis zur 73. Minute auf der Bank, kommt in eine zerfahrene Schlussphase und bleibt unauffällig. Das ist keine Momentaufnahme mehr.
Seit seiner Leihe von West Ham zur AC Mailand zum Jahreswechsel stand Füllkrug bei zwölf Einsätzen genau einmal in der Startelf. Ein Tor hat er erzielt, als Joker. Die Zahlen sind brutal ehrlich, und sie erzählen eine Geschichte, die der 31-Jährige nicht hören will: Er ist in Mailand keine Lösung, sondern eine Option für die letzten Minuten.
Julian Nagelsmann hat das öffentlich angesprochen. Der Bundestrainer monierte, dass Füllkrug bei Milan „aktuell leider keine Quote und wenig Spielzeit" habe. Das war keine beiläufige Bemerkung, sondern eine unmissverständliche Warnung. Nagelsmann sagt damit: Wer nicht spielt, kann nicht überzeugen. Wer nicht überzeugt, fährt nicht zur WM.
Ich verstehe die Romantik, die viele mit Füllkrug verbinden. Der späte Durchstarter, der Arbeiter, der sich alles erkämpft hat. Bei der EM 2024 war er wichtig, seine Joker-Qualitäten unbestritten. Aber eine Weltmeisterschaft ist kein Turnier für Spieler, die im Vereinsfußball keine Rolle spielen. Die Konkurrenz im deutschen Sturm ist nicht übermächtig, aber sie existiert. Und sie trainiert, während Füllkrug wartet.
Das Derby gegen Inter hätte ein Schaufenster sein können. Milan gewann, festigte Platz zwei, liegt aber weiterhin sieben Punkte hinter dem Spitzenreiter. Die Mannschaft funktioniert auch ohne Füllkrug in der Startelf. Das ist das eigentliche Problem: Er wird nicht gebraucht. Trainer Sergio Conceição vertraut anderen Lösungen, und Füllkrug liefert keine Argumente, die das ändern würden.
Die Leihe nach Mailand sollte Spielpraxis bringen. Stattdessen bringt sie Kurzeinsätze und die wachsende Gewissheit, dass der Plan nicht aufgeht. Füllkrug ist kein schlechter Spieler geworden. Aber er ist ein Spieler ohne Bühne, und im modernen Fußball zählt Sichtbarkeit.
Nagelsmann wird seinen Kader nach Leistung zusammenstellen, nicht nach Sympathie. Die WM 2026 rückt näher, und Füllkrug hat ein halbes Jahr, um seine Situation zu ändern.