Nicht nur in Magdeburg: Der deutsche Fußball schiebt sein Gewaltproblem seit Jahren vor sich her

Ausschreitungen bei einem Zweitliga-Spiel führten zu 64 verletzten Polizisten.

Nicht nur in Magdeburg: Der deutsche Fußball schiebt sein Gewaltproblem seit Jahren vor sich her
IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Die Bilder aus Magdeburg sind verstörend. 64 verletzte Polizisten bei einem Zweitligaspiel – das ist keine Randnotiz, das ist ein Alarmsignal. Während der Halbzeit der Partie zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden eskalierte die Situation im Außenbereich des Stadions derart, dass dutzende Beamte mit leichten bis schweren Verletzungen zurückblieben. Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bestätigte die Zahlen. Sie sprechen für sich. Man muss sich diese Dimension vor Augen führen: 64 Menschen, die ihren Job machen wollten, wurden bei einem Fußballspiel verletzt. Nicht bei einem Hochrisiko-Derby der ersten Liga, nicht bei einem europäischen Pokalabend mit aufgeheizter Atmosphäre – sondern bei einer Zweitligapartie am Samstagnachmittag. Das Ergebnis auf dem Rasen, ein 2:1-Sieg für die Dresdner, gerät dabei zur Fußnote. Die Frage, die sich stellt, ist unbequem, aber notwendig: Was läuft strukturell falsch, wenn solche Szenen möglich sind? Die Antwort darauf ist komplex, aber sie beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Der deutsche Fußball hat ein Gewaltproblem, das er seit Jahren vor sich herschiebt. Die Vereine verweisen auf die Polizei, die Polizei auf die Vereine, die Politik auf beide. Und am Ende passiert zu wenig. Es wäre zu einfach, die Schuld allein bei einer kleinen Gruppe von Chaoten abzuladen. Natürlich sind es Einzelne, die zuschlagen, die Böller werfen, die Konfrontationen suchen. Aber diese Einzelnen bewegen sich in einem Umfeld, das sie gewähren lässt. Die Fanszenen müssen sich fragen lassen, ob ihre Toleranz gegenüber gewaltbereiten Elementen nicht längst zur stillen Komplizenschaft geworden ist. Die Vereine stehen ebenfalls in der Pflicht. Wer Dauerkarten verkauft und Merchandising-Millionen einnimmt, trägt Verantwortung für das, was in und um sein Stadion geschieht. Diese Verantwortung endet nicht am Spielfeldrand und nicht mit dem Schlusspfiff. Magdeburg gegen Dresden – das ist ein Duell mit Geschichte, mit Rivalität, mit Emotionen. All das gehört zum Fußball. Gewalt gegen Polizisten gehört nicht dazu. Wer das relativiert, wer von Einzelfällen spricht oder die Schuld reflexhaft bei den Einsatzkräften sucht, verkennt die Realität. 64 verletzte Beamte sind 64 zu viel. Der deutsche Fußball muss sich entscheiden, welches Bild er von sich zeigen will. Die Bilder aus Magdeburg sollten ein Weckruf sein. Die Frage ist nur, ob diesmal jemand aufwacht.