Mario Götzes ehrliche Worte entlarven die riskante Trainerwahl bei SGE

Eintracht Frankfurt steht vor einem Neuanfang mit Trainer Albert Riera. Ausgang: offen.

Mario Götzes ehrliche Worte entlarven die riskante Trainerwahl bei SGE
IMAGO/Eibner

Die Ehrlichkeit von Mario Götze verdient Respekt. Nach dem 1:3 gegen Bayer Leverkusen gibt der Weltmeister von 2014 zu, dass er nicht weiß, was auf Eintracht Frankfurt zukommt. Albert Riera sei als Trainer "super schwierig" einzuschätzen. Das ist keine Floskel, das ist die Wahrheit.

Acht Pflichtspiele ohne Sieg haben bei der Eintracht eine Realität geschaffen, die keine Schönfärberei mehr zulässt. Götze spricht davon, bei null anzufangen, einen gedanklichen Cut zu machen, die Basics richtig zu machen. Das klingt nach Abstiegskampf-Rhetorik, nicht nach einem Klub, der vor wenigen Monaten noch von Europa träumte.

Genau hier liegt das Problem: Frankfurt hat sich einen Trainer geholt, dessen größte Stationen NK Celje in Slowenien und Girondins Bordeaux in der zweiten französischen Liga waren. Das ist keine Kritik an Riera persönlich, aber es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die Eintracht, die einst mit Niko Kovac das Pokalfinale gewann und unter Oliver Glasner die Europa League holte, setzt nun auf einen Mann, der im europäischen Fußball ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Albert Riera gilt als Mourinho 2.0. Aber was heißt das schon?

Götze hat recht, wenn er sagt, dass es der Mannschaft nicht zustehe, über Tabellenplätze zu reden. Diese Demut ist angebracht. Aber sie wirft auch Fragen auf: Wie konnte es so weit kommen? Wie kann ein Kader mit Götze, mit erfahrenen Bundesligaprofis, derart in die Krise rutschen?

Eintracht Frankfurt: Krise liegt nicht am Trainer alleine

Die Antwort liegt vermutlich nicht allein beim entlassenen Trainer Dino Toppmöller. Sie liegt in einer Mannschaft, die ihre Identität verloren hat. Riera soll sie nun wiederfinden helfen, und er hat dafür exakt vier Tage Zeit bis zum Auswärtsspiel bei Union Berlin.

Das ist die brutale Realität des Profifußballs: Keine Eingewöhnungsphase, keine Schonfrist, keine Zeit für taktische Experimente. Riera muss liefern, und zwar sofort. Ob er ein emotionaler Vulkan ist oder ein kühler Taktiker aus der spanischen Schule, wird sich zeigen. Entscheidend ist nur eines: Punkte.

Götze spricht von einem Neuanfang. Das klingt hoffnungsvoll, aber auch ein wenig hilflos. Denn ein Neuanfang bedeutet auch, dass das Alte gescheitert ist. Und das Alte, das waren nicht nur Toppmöller und sein Trainerteam. Das waren auch die Spieler auf dem Platz, die seit acht Spielen keinen Sieg mehr einfahren konnten.

Riera übernimmt eine verunsicherte Mannschaft in einer schwierigen Phase der Saison. Sein Debüt in Berlin wird zeigen, ob der Neuanfang mehr ist als ein Wort. Die Eintracht braucht keine Wunder, sie braucht Stabilität. Ob ein Trainer mit seiner Vita das liefern kann, bleibt die große Unbekannte dieser Personalie.