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Mann mit Maske: Der größte Pechvogel der Nationalelf

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!

Zu Wochenbeginn habe ich mir die Klose-Biografie in der digitalen Version aufs Handy heruntergeladen. Als ich im neuesten Werk von Ronald Reng die ersten Zeilen über Miroslav Kloses Werdegang gelesen hatte, konnte ich nicht mehr aufhören. In sechs Stunden hatte ich alle Kapitel durch und wurde ein bisschen wehmütig. Ob Deutschland  jemals wieder einen Nationalspieler bekommt, der frei von allen Allüren ist? Ich vermisse ihn. Und noch mehr, wenn ich von Rammstößen auf dem Spielfeld, Ausschreitungen gegen die Schiedsrichter und Spe­renz­chen von Jungstars erfahre.

Einen anständigen Mittwoch wünscht

Euer Pit Gottschalk

Mann mit Maske: Der größte Pechvogel der Nationalelf

DFB-Team geht angeschlagen in das Finale der EM-Qualifikation

Die Nationalelf bereitet sich in Düsseldorf auf die Partie gegen Weißrussland in Mönchengladbach vor. Mehrere Spieler konnten nicht anreisen - sie sind verletzt.

Von Jörg Soldwisch und Oliver Mucha

Niklas Stark sah aus wie nach einer wüsten Schlägerei. Die Augen blutunterlaufen, die Augenhöhlen blau-grün gefärbt, ein Stück Plastik hielt die frisch operierte Nase stabil. "Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht", sagte der Hertha-Profi bei der Ankunft der Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag in Düsseldorf.

Der 24-Jährige war natürlich in keine Prügelei verwickelt gewesen, der Nasenbeinbruch ist ein Andenken aus dem Ligaspiel gegen RB Leipzig. Die meisten Spieler hätten für die EM-Qualifikationsspiele am Samstag in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt/Main gegen Nordirland abgesagt, aber Stark nicht. Der DFB-Debütant im Wartestand hat bereits acht Länderspiele seit seiner ersten Nominierung verpasst. So lange musste noch kein Feldspieler unter Joachim Löw auf seinen ersten Einsatz warten.

"Ruft der Bundestrainer an, komme ich, wenn ich laufen kann"

Schön spielen - das reicht laut Joachim Löw nicht, um auf höchstem Niveau bestehen zu können. Der Bundestrainer fordert von seinen Spielern eine größere Robustheit.

Der Bundestrainer gab seinem Pechvogel nun nach Kicker-Informationen eine Einsatzgarantie - sofern auch die DFB-Ärzte keine Einwände haben. Stark wird mit einer Maske spielen, mit der er schon im April 2018 bei der gleichen Verletzung für seinen Klub aufgelaufen war. Damals hatte Stark kein besonders gutes Gefühl gehabt, jetzt wagt er einen zweiten Versuch.

"Wenn der Bundestrainer anruft und sagt, er will mich dabei haben, dann komme ich - sofern ich laufen kann", sagte der Abwehrspieler, der jedoch beim ersten Training am Dienstagnachmittag noch pausieren musste.

Stark will sich endlich "einen großen Traum erfüllen" - angesichts der großen Personalnot gerade im Abwehrzentrum kein schlechter Zeitpunkt. Löw schätzt am Berliner, dass dieser "jung, schnell und kopfballstark" ist. U21-Nationalcoach Stefan Kuntz traut Stark den Durchbruch im A-Team zu - und noch mehr. Der stille, aber dennoch ehrgeizige Stark sei "ein natürlicher Anführer", schwärmte Kuntz über den U21-Europameister von 2017.

Das Phantom

Für die letzten EM-Qualifikationsspiele greift Joachim Löw nicht auf Mats Hummels zurück, doch die Debatte wird ins EM-Jahr schwappen.

Zuletzt konnte man aber den Eindruck gewinnen, Stark sei auch vom Pech verfolgt. Nachdem Löw ihn bei sechs Länderspielen auf der Bank hat schmoren lassen, stoppte ihn eine Magen-Darm-Grippe vor dem zugesicherten Startelf-Einsatz gegen Argentinien. In Estland wollte Stark endlich seine Premiere feiern, doch im Teamhotel stieß er sich vor der Abreise nachts unglücklich an der Tischkante. Die blutende Wunde am Schienbein musste genäht werden - und Stark fiel erneut aus.

"Mittlerweile kann ich darüber schmunzeln", sagte Stark: "Ganz Deutschland hat meine Aktion mitbekommen. Wenn es nicht so bitter wäre, wäre es eine witzige Geschichte. Es war einfach dunkel, ich habe halt nichts gesehen."

Dabei ist Übersicht eine seiner großen Stärken auf dem Platz. Stark kommt aufgrund seiner Spielintelligenz und Schnelligkeit fast ohne Fouls aus. Seine auffälligen Leistungen in der Vorsaison sorgten dafür, dass sich europäische Topklubs für ihn interessierten. In seinem Vertrag ist angeblich eine Ausstiegsklausel in Höhe von 25 Millionen Euro eingebaut.

"So ein Trikot ist halt ein emotionales Stück Stoff"

Pyjama oder cooles Shirt? Das neue DFB-Trikot ist da, und fast jeder hat dazu eine Meinung. Der Chefdesigner Jürgen Rank erklärt, was ein gutes Hemd ausmacht.

"Das ist doch nur eine Zahl. Mein Vater zeigt mir das oft und sagt: 'Schau mal, was du wert bist, voll cool!' Aber das hat keine Auswirkungen auf mich", sagte der Defensivspieler, der auch zentral vor der Abwehr seine Stärken ausspielen kann.

Löw schätzt solch variable Spieler, auch wenn er Stark bislang noch nicht aufgestellt hat. Stark werde "logischerweise noch mal eine Chance bekommen". Diese ist nun da.

Jörg Soldwisch und Oliver Mucha sind SID-Redakteure

Heute im Fernsehen

12.45 Uhr: DFB-Pressekonferenz zum Weißrussland-Spiel

Länderspielpause: Hier G20-Gipfel, da der HSV

Von Alex Steudel

Länderspielpause ist langweilig? Ich sage euch mal was: Nur in der Länderspielpause erschließt sich dem Fan die wahre Größe seines Vereins.

Es ist ganz einfach: Wenn heute keine Sau zum Training kommt, steht dein Klub im Zenit.

19 Spieler sind mit ihren Nationalteams unterwegs, und auf dem Trainingsplatz dribbeln nur ein paar 17 Jahre alte Halbprofis um 18 Pappaufsteller herum, während am Spielfeldrand vier Assistenztrainer und zwei Ernährungsberater an den Fingernägeln herumkauen, SMS schreiben und lediglich darauf achten müssen, dass die Jungs auf dem Platz den Hybridrasen nicht kaputtmachen? Dann ist alles super in Ordnung in deinem Verein.

Draußen am Zaun stehen bei solchen Top-Klubs in diesen Tagen übrigens immer ein paar Väter mit schlimmen Schuldgefühlen. Ihnen ist bei der jahrelangen Planung des Trainingsbesuchs durch die Lappen gegangen, dass die wichtigen Spieler heute in Weißrussland, Polen, Japan oder San Marino sind, und sie müssen deshalb bitterlich weinende Kinder in ihren nagelneuen 119,90-Euro-Trikots trösten.

„Nein, der Lewandowski ist heute nicht da. Aber schau: Da ist Fiete Arp!"

Warnzeichen von der Tribüne

Die letzten Länderspiele des Jahres in Mönchengladbach und nächste Woche in Frankfurt werden nicht ausverkauft sein.

Für Anhänger abgestürzter Traditionsklubs wiederum ist die Länderspielpause eine ganz besonders harte Zeit. Ihnen wird jetzt schmerzlich bewusst, dass sie nichts mehr zu melden haben im Weltfußball. HSV-Fans zum Beispiel müssen sich besonders fiese Fragen am Arbeitsplatz anhören. „Sag mal, gehst du am Samstag ins Stadion? Die zweite Liga spielt ja trotzdem, oder? Wann ist das nochmal? 11.30 Uhr?"

Als HSV-Fan fühlst du dich in Länderspielpausen, als wäre G20-Gipfel, und du bist Bundeskanzler von Grönland.

Oder die Löwen, die ja in der dritten Liga (oder war’s die fünfte?) spielen. Deren Fans werden jetzt auf besonders hinterlistige Art verspottet: Es sei doch bestimmt schwierig „für den neuen Trainer zu arbeiten, wenn die ganzen Nationalspieler zehn Tage lang fehlen". – „Wieviele habt ihr nochmal?" –  „Ach so, gar keine. War mir gar nicht so klar."

Eine rühmliche Ausnahme bilden übrigens wieder mal die Fans des gebeutelten 1. FC Köln: In Köln ist seit Montag Karneval.

Das heißt: Die kriegen ihre eigene Krise nicht mit.

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