Löwen in der Achterbahn!
Die Löwen wollten 1973/74 eigentlich nach ganz oben, wurden am Ende der Saison jedoch nur Dritte
Als im Oktober 1973 der DFB nach langem Ringen die Trikotwerbung in Deutschland offiziell erlaubte, spielte mit dem TSV 1860 München eines der Gründungsmitglieder der Bundesliga nur noch in der Regionalliga Süd. In diese war der Klub, der in seiner ersten kurzen Bundesligazeit Deutscher Meister, Europapokal-Finalist und Vizemeister geworden war, als Tabellenvorletzter der Saison 1969/70 abgestiegen. Es sollte der Beginn der Achterbahnfahrten sein, die die Löwenfans bis heute durchleiden.
Und während in der Bundesliga beim Hamburger SV ab Anfang Januar 1974 mit dem Hamburger Unternehmen Hans Prang, dem alleinigen Lizenzhersteller des italienischen Aperitifs Campari in Deutschland, als Trikotsponsor einstieg und dieses dem Verein mit 500.000 DM vergütete, war man in München froh, mit dem Getränkehersteller Frucade ebenfalls einen Trikotpartner gefunden zu haben. Was für diese Spielklasse keine Selbstverständlichkeit war.
Die Saison 1973/74 war die letzte für die fünf Regionalligen, aus denen sich vierzig Mannschaften für die neue, zweigleisige 2. Bundesliga qualifizierten. Die Löwen wollten eigentlich nach ganz oben, wurden am Ende der Saison jedoch nur Dritte und verpassten damit auch den Einzug in die Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga. Statt der Giesinger stiegen Tennis Borussia Berlin und Eintracht Braunschweig auf. Die Braunschweiger machten damit auch ihren Betriebsunfall wett, als eigentlicher Erfinder der Trikotwerbung am Ende der Saison 1972/73 abgestiegen zu sein und nur deshalb dem HSV und MSV Duisburg (mit Brian Scott) ab Januar 1974 das Feld als erste Teams mit offiziellem Brustsponsor überlassen zu müssen.
Es dauerte bis zur Saison 1976/77, bis 1860 wieder ins Oberhaus zurückkehrte. Und das nach drei dramatischen Aufstiegsspielen gegen Arminia Bielefeld. Doch die Freude über die Rückkehr in die Bundesliga währte nur kurz. Als 16. stieg man am Ende der Saison 1977/78 gleich wieder ab, um dann als Tabellenerster in der Folgesaison den Bundesliga-Fahrstuhl nach oben erneut zu besteigen. Auch auf dem Trikot gab es mit dem Beginn der Saison 1979/80 einen Wechsel. Die Beiersdorf AG bewarb für zwei Spielzeiten ihre Marke Doppeldusch. Frucade machte im gleichen Zeitraum als Sponsor bei Hannover 96 weiter.
1981 stieg 1860 München erneut aus der Bundesliga ab, 1982 folgte der Lizenzentzug und der Absturz in die Bayernliga. In die erste Bundesliga kehrte man erst 1994 zurück und konnte sich dort mit zehn Spielzeiten am Stück so lange halten wie nie zuvor, aber danach auch nie wieder. Aber das ist Stoff für eine andere Geschichte.
Die komplette Trikotgeschichte mit den Fotos von allen im Text genannten Trikots findet ihr in der Stoffkunde vom 26. Januar 2026. Möchtet ihr in Zukunft keine meiner Trikotgeschichten verpassen, könnt ihr euch hier beim wöchentlichen Newsletter anmelden.