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Leroy Sané: Zuschauer dürfen ihn auspfeifen

Inhaltsverzeichnis

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!

Als ich gestern vorab meinen Kommentar zu Leroy Sané veröffentlichte, erlebte ich eine bizarre Situation. Natürlich bekam ich viel Zuspruch für meine Meinung, dass Zuschauer durchaus das Recht haben, die schlechte Leistung eines Fußballers mit Pfiffen zu quittieren. Gleichzeitig hagelte es aber auch eine Menge Kritik, dass ich dem Zuschauervotum überhaupt das Wort rede. Das Bizarre daran war: Dieselben, die Sané vor jeglicher Unmutsäußerung in Schutz nahmen, weil er sonst einen psychologischen Schaden davon tragen könnte ("Haben Sie denn gar nichts aus dem Fall Enke gelernt?"), pfefferten mir gleichzeitig die derbsten Flüche an den Hals, Ehrabschneidungen, Anfeindungen und Brüllattacken inklusive. Und ich habe einen Verdacht: Vermutlich sind es dieselben, die jede öffentliche Häme gegen den Hoffenheim-Geldgeber Dietmar Hopp für ein probates Mittel der Meinungsäußerung halten. So ist das heutzutage: Zum Austausch von Argumenten reicht es zu häufig nicht zum Perspektivwechsel.

Zur Vollständigkeit sei gesagt: Ich bin der erste, der Leroy Sané in den Himmel lobt, wenn seine Darbietung danach verlangt.

Einen wechselhaften Mittwoch wünscht

Euer Pit Gottschalk

Leroy Sané: Zuschauer dürfen ihn auspfeifen

Über Leroy Sané
FC Bayern: Keine Wohlfühloase für Fußballprofis

FC Bayern: Keine Wohlfühloase für Fußballprofis

Gegen den 1. FC Köln wird Leroy Sané am Sonntag beim Heimspiel des FC Bayern von den eigenen Fans in der Allianz Arena ausgepfiffen. Warum das berechtigt war.

Von Pit Gottschalk

Schnell waren sich Mitspieler, Trainer und sogar der Gegner einig: Das mit den Pfiffen gegen Leroy Sané sei eine Unverschämtheit von den Fans. Der Kölner Trainer Steffen Baumgart verstieg sich zu der Behauptung: "Ich finde das beschämend, dass überhaupt gepfiffen wird. Leroy mag zwar in einer Form sein, die ihm selbst nicht gefällt, aber ich finde, er arbeitet und macht.“

So hätten es die Millionäre in den kurzen Hosen wohl am liebsten: dass das Leistungsprinzip in ihrer Wohlfühloase Fußball-Bundesliga außer Kraft gesetzt wird. Darum sei es in aller Deutlichkeit an dieser Stelle formuliert: Natürlich haben die Zuschauer alles Recht der Welt, die mangelhafte Leistung eines Fußballprofis mit Pfiffen zu quittieren. Dass Häme mitschwingt: Sei’s drum.

Es stimmt halt nicht, wenn Bayern-Trainer Julian Nagelsmann Ursache und Wirkung verdreht und Sané zugute hält, dass er ja auch nicht an die Arbeitsplätze der Zuschauer eilt, um sie bei der Verrichtung ihrer Arbeit auszupfeifen. Fußballprofis gehen ihrem Beruf in aller Öffentlichkeit nach und werden für die knallharte Bewertung fürstlich entschädigt; ein Dreher an der Werkbank nicht.

Bei Leroy Sané sind Pfiffe doppelt angebracht. Nicht nur seine Leistung beim 3:2 gegen Köln war sportlich und statistisch unterirdisch. Seit einem Jahr schon, als er mit Getöse in München empfangen wurde, warten sie beim FC Bayern auf seinen Durchbruch. So ziemlich alle Bosse wiederholten medienwirksam ihre Erwartungshaltung: Von Sané müsse jetzt mehr kommen.

"Nicht plakativ fünf Stunden in den Arm nehmen"

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Die lautstarken Pfiffe aus den eigenen Blöcken in der Allianz-Arena gegen Leroy Sané bleiben Thema. Bayern-Coach Julian Nagelsmann hat diesbezüglich nochmals einiges klargestellt - und dem Offensivmann einen Tipp gegeben.

So viel Geduld, wie sie Sané erlebt hat, erfahren Bayern-Profis selten. Er ist ja kein junger Spieler mehr. Von einem 25-Jährigen beim FC Bayern darf man durchaus einfordern, dass er Passspiel, Laufwege und Defensivverhalten auf höchstem Niveau abliefert. Scheu ist keine Ausrede. Die hat er auch nicht gezeigt, als es damals um seinen Millionenvertrag bis 2025 ging.

Dass Bayern München zumindest offiziell einen Schutzschirm über Leroy Sané spannt, ehrt den Rekordmeister sehr und ist leicht erklärbar. Nach einem mittelmäßigen Anfangsjahr erhoffte man sich einen neuen Sané, der wie eine Verstärkung auftritt und nicht wie ein ewiges Talent. Denn echte Neuzugänge in dieser Größenordnung schränkt Corona ein.

Die Bayern sollten deshalb nicht unglücklich über die Wirkungstreffer aus dem Fanblock sein. Die Leute haben ein feines Gespür, ob jemand alles gibt oder doch schludert. Die Pfiffe erinnern Sané daran, dass er mit halbgarem Gekicke keine Zukunft beim FC Bayern haben kann. Die Liste gescheiterter Hoffnungsträger ist lang. Der FC Bayern hat sie alle überstanden.

Heute im Fernsehen

20.15 Uhr, SPORT1: DFB-Pokal, Bremer SV - Bayern München

Bremer SV gegen Bayern München heute live im FreeTV

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Der FC Bayern München startet verspätet in den DFB-Pokal. In der ersten Runde wartet der Bremer SV. So sehen Sie die Partie live im Free-TV bei Sport1.

Gebt Jürgen Klopp die Brille zurück! Sofort!

Alles neu bei Liverpools Trainer Jürgen Klopp

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Auch das noch: Der 54-Jährige erklärte auf Bild-TV, warum er keine Brille mehr trägt. Er könne auch so sehen, sagte der ehemalige Mainzer und Dortmunder.

Von Alex Steudel

Schiri-Keller, neue Auswärtstor-Regel, HSV in Liga zwei.

Dieser moderne Fußball macht mich noch verrückt.

Schnittstellenpass, Handspielregel, Conference League.

Es hört gar nicht mehr auf. Noch nie hat sich dieser Sport in einem höheren Tempo verändert als heute. Ich halte ja so einiges aus, aber irgendwann hört der Spaß auf. Dieses Irgendwann war für mich gestern Mittag, als ich bei einer Übertragung des – ebenfalls neuen – Fernsehsenders "Bild-TV" feststellen musste: Jetzt ist auch noch Jürgen Klopps Brille weg.

Mir reicht's. Ist denn auf gar nichts mehr Verlass?

Ich will und werde mich an diesen Anblick nicht gewöhnen. Auf Klopps Gesicht gehört eine Brille, wie eine Bratwurst ins Stadion gehört. (Jaja, ich weiß, eine vegane geht natürlich auch.) Ich hatte doch schon genug zu kauen, als die Bälle nicht mehr aus Leder waren, und als Rudi Völlers Löckchenfrisur sich aufzulösen begann.

Illustration: Jens Uwe Meyer / bergfest.at

Ich mochte Klopps Brille schon immer. Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich auch eine Brille trage. Klopp und ich sind Brüder im Bügel. Mich hat das stets motiviert und zu immer besseren Kolumnistenleistungen getrieben. Mit Brille kannst du alles schaffen! Das war die Botschaft.

Und jetzt? Er könne plötzlich sehen, sagt Klopp. Das mögen die Fans von Dortmund und Liverpool verstehen, denn die hielten ihn schon immer für eine Art Jesus. Für mich ist es zu viel des Guten. Klopp muss weiter Brille tragen! Ich fordere das.

Die Brille war schon immer sein Markenzeichen. In Mainz tauften ihn die Zeitungen einst Harry Potter wegen seiner Brille.

Jürgen Klopp hat viele Werbemillionen verdient, und jetzt müssen alle Spots neu gedreht werden. Ich als Sponsor wäre schön sauer: Wie sieht das denn aus? Siehe Foto.

Der fatale Irrglaube des Jürgen Klopp

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In einem Interview begeistert sich Jürgen Klopp für eine knappe Niederlage eines Gegners des übermächtigen Paris St. Germain. Eine Niederlage als Erfolg?

Klopps Brille hat außerdem von seinen großen Zähnen abgelenkt. Jetzt ist alles an Klopp nur noch Gebiss. Er wirkt damit aggressiver, und vielleicht war das der Plan. Die armen Spieler. Die armen Schiedsrichter. Also ich würde mich nicht mehr trauen, gegen Klopp zu pfeifen, oder weniger zu rennen.

Womöglich ist seine fehlende Brille nur ein Statement; also subtile Kritik an den von ihm oft kritisierten Schiris und ihren Leistungen. Vielleicht ist sie aber auch nur der nächste Step einer Generalüberholung, die mit implantierten Haaren begann.

Wer jetzt sagt, das habe doch alles nichts mit Fußball zu tun, das sei doch hier ein Fußball- und kein Typberatungs-Newsletter, irrt gewaltig. Wie der Fußball ist auch Jürgen Klopp längst in unseren Besitz übergegangen. Er ist Weltkulturerbe. Einen Jürgen Klopp darf man nicht einfach umgestalten. Nicht mal er darf das!

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