Leicester City ist selbst schuld – die Strafe für Ex-Meister ist nur die logische Konsequenz
Leicester City steht nach Punktabzug vor sportlicher und finanzieller Krise.
Zehn Jahre nach dem größten Wunder der Premier-League-Geschichte steht Leicester City vor dem Nichts. Sechs Punkte Abzug wegen Verstößen gegen die Financial-Fair-Play-Regeln, kein Cheftrainer, Platz 20 in der Championship. Der Absturz in die dritte Liga ist keine abstrakte Gefahr mehr, sondern ein realistisches Szenario für den Ex-Meister.
Die Zahlen sind eindeutig: 21 Millionen Pfund über der zulässigen Verlustgrenze, mehr als 200 Millionen Pfund Gesamtverlust in drei Jahren. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist systematisches Missmanagement. Wenn Leicester nun die Strafe als unverhältnismäßig kritisiert und mildernde Umstände einfordert, dann zeugt das von einer bemerkenswerten Realitätsverweigerung. Die Regeln waren bekannt, die Konsequenzen absehbar.
Der Verweis auf mildernde Umstände ist der klassische Reflex eines Klubs, der die Verantwortung für das eigene Handeln nicht übernehmen will. Welche Umstände sollen das sein? Der Abstieg 2023? Den hat Leicester selbst zu verantworten. Die Corona-Pandemie? Die traf alle Vereine gleichermaßen. Die Wahrheit ist unbequem: Leicester hat über Jahre hinweg mehr Geld ausgegeben, als der Verein erwirtschaften konnte. Das rächt sich jetzt.
Die sportliche Situation verschärft die Krise dramatisch. Vier Ligaspiele ohne Sieg, drei Niederlagen, und nach der Trennung von Marti Cifuentes fehlt auch noch der Cheftrainer. Das ist keine Delle, das ist ein Totalschaden. Wer in dieser Lage keinen klaren Plan hat, wer keinen Trainer findet, der die Mannschaft stabilisiert, der wird im Abstiegskampf der Championship zerrieben.
Das Tragische an dieser Geschichte ist die Fallhöhe. 2016 gewann Leicester als 5000:1-Außenseiter die Meisterschaft, 2021 folgte der erste FA-Cup-Sieg der Vereinsgeschichte. Es war ein Märchen, das Millionen Menschen begeisterte. Doch statt diesen Erfolg nachhaltig zu nutzen, hat der Klub das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Die sofortige Rückkehr in die Premier League nach dem Abstieg 2023 täuschte über die strukturellen Probleme hinweg. Sechs Siege in 38 Spielen in der vergangenen Saison zeigten dann das wahre Bild.
Leicester City ist ein Mahnmal dafür, was passiert, wenn sportlicher Erfolg nicht mit wirtschaftlicher Vernunft einhergeht. Der Verein hat sich selbst in diese Lage gebracht. Die Strafe ist nicht unverhältnismäßig, sie ist die logische Konsequenz jahrelanger Fehlentscheidungen. Ob Leicester den Absturz in die League One noch verhindern kann, hängt jetzt davon ab, ob die Verantwortlichen endlich aufwachen. Die Zeit für Ausreden ist vorbei.