Lars Ricken hat recht: Die BVB-Dauerkritiker sollten endlich still sein

BVB-Sportchef wehrt sich gegen die Nörgelei an der Leistung des Vereins.

Lars Ricken hat recht: Die BVB-Dauerkritiker sollten endlich still sein
IMAGO/Noah Wedel

Lars Ricken hat genug. Der Sport-Geschäftsführer von Borussia Dortmund wehrt sich gegen die Dauerkritiker seines Klubs und findet dabei deutliche Worte. Wer die Entwicklung des BVB nicht sehe, wolle sie nicht sehen, sagt er. Solche Leute sollten "vielleicht auch mal ein bisschen stiller sein". Das ist eine bemerkenswerte Ansage – und sie ist berechtigt. Die Fakten sprechen eine klare Sprache. Vier Spiele in der Rückrunde, vier Siege. Kein anderer Bundesligist ist besser gestartet. 14 Ligaspiele ohne Niederlage. Platz zwei mit 48 Punkten. Und der Abstand zu Bayern München? Vor einem Jahr am gleichen Spieltag betrug er 25 Punkte, jetzt sind es sechs. Das ist keine kosmetische Verbesserung, das ist eine fundamentale Verschiebung der Kräfteverhältnisse. Trotzdem wird in Dortmund gemeckert, als stünde der Klub vor dem Abstieg. Mats Hummels sprach nach der Champions-League-Niederlage bei Tottenham von einem "beinahe Totalausfall". Solche Aussagen verfehlen jedes Maß. Natürlich war das 0:2 in London enttäuschend. Aber ein einzelnes schlechtes Spiel definiert keine Saison. Wer so urteilt, betreibt Ergebnisjournalismus der schlimmsten Sorte. Ricken hat recht, wenn er sich darüber ärgert. Der BVB hat in dieser Saison einen bemerkenswerten Turnaround hingelegt. Nach dem Chaos der vergangenen Spielzeit, als der Klub unter Nuri Sahin zeitweise auf Platz elf abrutschte, ist Dortmund wieder Bayern-Jäger Nummer eins. Das verdient Anerkennung, keine reflexhafte Nörgelei. Interessant ist dabei Rickens eigene Einschätzung. Auch er glaubt, dass noch mehr drin gewesen wäre. Vier, fünf Punkte mehr hätte der BVB haben können, sagt er. Diese Unzufriedenheit ist gesund. Sie zeigt, dass in Dortmund niemand zufrieden ist mit dem Status quo. Der Anspruch ist höher als Platz zwei. Am Freitag gegen Mainz kann der BVB den nächsten Schritt machen. Die Mainzer sind das zweitbeste Rückrundenteam der Liga, das wird kein Selbstläufer. Und ja, seit Mai 2023 hat Dortmund mit den Rheinhessen eine Rechnung offen. Damals ging die Meisterschaft verloren, auf dramatische Weise. Aber genau das ist der Punkt: Der BVB kämpft wieder um Titel. Er ist wieder relevant. Er macht Bayern wieder Druck. Wer das nicht würdigt, hat den Fußball tatsächlich nicht verstanden. Ricken darf genervt sein. Die Kritiker sollten ihre Maßstäbe überprüfen.