Kwasnioks Köln lebt von Moral – aber nicht von Punkten
Trainer Lukas Kwasniok setzt auf Teamgeist nach acht sieglosen Spielen.
Acht Spiele ohne Sieg, fünf Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz, sechs fehlende Innenverteidiger – die Zahlen beim 1. FC Köln erzählen eine Geschichte, die niemand am Geißbockheim hören will. Und doch steht Trainer Lukas Kwasniok vor den Mikrofonen und verspricht, dass ab Freitag wieder gelacht wird. Man muss diese Chuzpe bewundern. Oder sich fragen, ob sie nicht längst zur Überlebensstrategie geworden ist.
Die Niederlage gegen Bayern München (1:3) war erwartbar. Was nicht erwartbar war: die Art und Weise, wie sich diese personell ausgedünnte Mannschaft gegen den Rekordmeister wehrte. Der älteste Feldspieler auf dem Platz war 27 Jahre alt. Das ist kein Kader, das ist ein Notprogramm. Dass daraus über weite Strecken eine respektable Leistung entstand, spricht für die Arbeit des Trainers. Es spricht aber auch dafür, dass Köln derzeit von Moral lebt, nicht von Substanz.
Kwasniok nennt die Bayern-Partie einen Mutmacher. Das ist die einzig mögliche Lesart für einen Trainer, der keine andere Wahl hat. Wer acht Spiele nicht gewinnt, kann nicht auf Ergebnisse verweisen. Also verweist er auf Haltung, auf Einheit, auf das Herz am rechten Fleck. Das sind keine leeren Phrasen, wenn man sieht, wie diese Mannschaft kämpft. Aber es sind auch keine Punkte.
Jetzt muss Köln siegen - ohne Wenn und Aber
Die Wahrheit ist: Köln braucht gegen Mainz einen Sieg. Nicht weil die Tabelle es zwingend erfordert – fünf Punkte Vorsprung sind kein Luxus, aber auch keine akute Gefahr. Sondern weil diese Mannschaft einen Beweis braucht, dass Kampfgeist auch belohnt wird. Jakub Kaminski hat es auf den Punkt gebracht: Es geht darum, in der Bundesliga zu bleiben. Nicht mehr, nicht weniger.
Kwasniok spricht von einer künstlich erzeugten negativen Stimmungslage von außen. Das ist der Reflex eines Trainers, der die Wagenburg schließt. Verständlich, aber nicht ganz fair. Die Kritik kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus acht sieglosen Spielen. Sie kommt aus einer Hinrunde, die mehr Fragen aufwirft als Antworten liefert.
Was für Kwasniok spricht: Seine Spieler folgen ihm. Das ist in einer solchen Situation nicht selbstverständlich. Was gegen ihn spricht: Irgendwann muss aus Moral auch Ertrag werden. Samstag gegen Mainz wäre ein guter Zeitpunkt. Nicht weil es das letzte Spiel vor dem Abgrund ist. Sondern weil diese Mannschaft verdient hat, dass sich der Einsatz endlich auszahlt. Gelächelt wird ab morgen, sagt Kwasniok. Gewonnen werden muss am Samstag.