Kompany zeigt Mourinho, wie man zu Rassismus Stellung bezieht
Der Bayern-Trainer kritisiert seinen Kollegen mit seltener Klarheit. Seine Worte offenbaren ein tiefes Problem im Profifußball.
Vincent Kompany steht vor den Mikrofonen und spricht über Rassismus. Nicht als Pflichtübung, nicht mit diplomatischen Floskeln, sondern mit einer Emotionalität, die ich bei Trainern in seiner Position selten erlebe. Er nennt José Mourinhos Verhalten nach dem Champions-League-Spiel zwischen Benfica und Real Madrid einen klaren Fehler. Ich finde: Kompany hat recht, und seine Worte wiegen schwerer als jede Pressemitteilung eines Verbands.
Was ist passiert? Vinicius Júnior erhebt nach dem Hinspiel den Vorwurf, ein Benfica-Spieler habe ihn als Affe bezeichnet. Mourinho reagiert darauf, indem er die Jubelart des Brasilianers kritisiert und darauf verweist, dass Benfica nicht rassistisch sein könne, weil Eusébio der wichtigste Spieler der Vereinsgeschichte war. Kompany zerlegt dieses Argument mit einer Präzision, die mich beeindruckt.
Er spricht über seinen Vater, einen schwarzen Mann aus den 60er-Jahren. Er beschreibt eine Zeit, in der Spieler wie Eusébio keine andere Wahl hatten, als zu schweigen, zehnmal besser zu sein als alle anderen, um vielleicht ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Eusébios Namen heute als Schutzschild gegen Rassismusvorwürfe zu verwenden, verkehrt dessen Lebensleistung ins Gegenteil. Es instrumentalisiert einen Mann, der unter Bedingungen spielte, die wir uns heute kaum vorstellen können.
Kompany kennt Mourinho. Er betont, dass alle Spieler, die unter dem Portugiesen gearbeitet haben, ihn schätzen. Gerade deshalb wiegt seine Kritik so schwer. Hier spricht kein Rivale, kein Gegner, sondern jemand, der differenziert und trotzdem klar Position bezieht. Das ist selten im Profifußball, wo Trainer normalerweise jeden Konflikt mit Kollegen meiden wie eine Gelbe Karte vor dem Pokalfinale.
Die UEFA hat Ermittlungen eingeleitet. Benfica geht gegen eigene Fans vor, die offenbar Affengesten gezeigt haben. Der Fall hat längst eine Dimension erreicht, die über das Spielfeld hinausgeht. Es geht um die Frage, wie der europäische Fußball mit Rassismus umgeht, wenn er mitten in einem Wettbewerb auftritt, der Milliarden generiert.
Kompany sagt, er passe nicht in diese Welt. Er sehe seinen Platz oftmals nicht. Das ist ein verstörender Satz aus dem Mund eines Mannes, der als Spieler so viel gewonnen hat und jetzt einen der größten Klubs der Welt trainiert. Wenn selbst er sich fremd fühlt, was sagt das über den Zustand des Profifußballs?
Sein Wunsch nach einer Entschuldigung klingt fast naiv. Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Mourinho könnte sagen, dass er einen Fehler gemacht hat. Er könnte einräumen, dass sein Verweis auf Eusébio unglücklich war. Die Frage ist nicht, ob der Fußball Rassismus bekämpfen will. Die Frage ist, ob diejenigen, die Fehler machen, bereit sind, das auch zuzugeben.