Kaiserslautern braucht eine Antwort aus der Fankurve, nicht vom Vorstand

Thomas Hengen kritisiert FCK-Fans für Beleidigungen und Hassparolen

Kaiserslautern braucht eine Antwort aus der Fankurve, nicht vom Vorstand
IMAGO/Kirchner-Media

Der 1. FC Kaiserslautern steht vor einem Problem, das nichts mit Taktik, Transfers oder Tabellensituation zu tun hat. Es geht um die eigenen Fans. Genauer: um einen Teil davon, der offenbar vergessen hat, wo Leidenschaft endet und Respektlosigkeit beginnt.

Was Geschäftsführer Thomas Hengen im Interview mit der Rheinpfalz schildert, ist keine Lappalie. Beleidigungen gegen die eigene Mannschaft, Hassparolen, Spucken in Richtung der Bank – das sind keine Ausdrucksformen von Kritik. Das ist Entgleisung. Und sie fand ausgerechnet im eigenen Stadion statt, beim Heimspiel gegen Magdeburg kurz vor Weihnachten.

Man kann verstehen, dass Fans frustriert sind. Der FCK kämpft in der Zweiten Liga um Stabilität, die Erwartungen auf dem Betzenberg sind traditionell hoch. Kritik gehört zum Fußball, sie ist sogar wichtig. Aber wer spuckt, wer Hass brüllt, wer die eigenen Leute angreift, der hat mit konstruktiver Auseinandersetzung nichts mehr zu tun. Der schadet dem Verein, den er angeblich liebt.

Kaiserslautern: Botschaft ist unmissverständlich

Hengen selbst formuliert es diplomatisch, wenn er sagt, die Fans dürften kritisch sein. Er appelliert an Sachlichkeit. Doch zwischen den Zeilen ist die Botschaft unmissverständlich: Was auf der Nordtribüne passiert ist, hat eine neue Qualität erreicht. Der Geschäftsführer spricht von Grenzen, die überschritten wurden. Wer ihn kennt, weiß, dass solche Worte nicht leichtfertig fallen.

Noch besorgniserregender ist das, was abseits des Stadions geschieht. Hassnachrichten in sozialen Medien, Drohungen, Angriffe auf Familien und Kinder – Hengen beschreibt eine Realität, die längst nicht mehr nur den Profifußball betrifft. Sie ist Ausdruck einer Verrohung, die sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht. Dass ein Vereinsverantwortlicher öffentlich ankündigt, rechtlich gegen solche Übergriffe vorzugehen, ist richtig und notwendig.

Der FCK steht an einem Scheideweg. Nicht sportlich, sondern kulturell. Die Frage lautet: Welche Fankultur will dieser Verein? Eine, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhält und fair bleibt? Oder eine, die bei Misserfolg in Aggression umschlägt und die eigenen Protagonisten zum Feind erklärt?

Die Antwort darauf können nicht allein Hengen oder der Vorstand geben. Sie muss aus der Kurve selbst kommen. Von jenen, die sich als echte Fans verstehen und nicht zulassen wollen, dass Einzelne den Ruf eines ganzen Anhangs beschädigen. Der Betzenberg war immer ein besonderer Ort. Er sollte es bleiben – aber nicht als Schauplatz von Hass, sondern als Heimat eines Vereins, der Respekt verdient. Auch von den eigenen Leuten.