Jürgen Klopps Rolle bei Red Bull: Warum das laute Dementi die Zweifel nur verstärkt

Der Konzern wollte ein Gesicht. Doch ob eine Rolle ohne Titel auf Dauer zu einem Mann passt, der für Siege gelebt hat, bleibt fraglich.

Jürgen Klopps Rolle bei Red Bull: Warum das laute Dementi die Zweifel nur verstärkt
IMAGO/Jan Huebner

Oliver Mintzlaff nennt es "völligen Schwachsinn". Stärker kann ein Dementi kaum ausfallen. Und doch lässt mich diese Vehemenz nicht los. Denn wenn alles so harmonisch wäre zwischen Jürgen Klopp und Red Bull, warum muss der Geschäftsführer dann derart laut werden?

Die Salzburger Nachrichten haben berichtet, Klopp werde als Head of Global Soccer zunehmend kritisch gesehen. Ein Abschied sei nicht mehr ausgeschlossen. Mintzlaff kontert mit dem vollen Programm: Man sei "extrem zufrieden", Klopp investiere viel, entwickle die Fußballphilosophie nachhaltig weiter. Er sei "der richtige Mann für diesen Job". Das klingt nach Rückendeckung. Es klingt aber auch nach einer Verteidigungsrede, die niemand gehalten hätte, wenn es nichts zu verteidigen gäbe.

Meine These: Wir erleben hier das klassische Muster des Profifußballs. Sobald ein prominenter Name mit einer neuen Rolle experimentiert, beginnt das Spiel der Erwartungen. Klopp hat mit Borussia Dortmund und dem FC Liverpool zahlreiche Titel gewonnen. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer seiner Generation. Und jetzt sitzt er in einer Position, deren Erfolg sich nicht in Pokalen messen lässt. Das ist für Außenstehende schwer greifbar. Und für Kritiker ein gefundenes Fressen.

Dass mit Oliver Glasner bereits ein möglicher Nachfolger gehandelt wird, gehört zum Geschäft. Der Österreicher steht angeblich ganz oben auf einer Wunschliste, sollten sich die Wege trennen. Solche Namen tauchen immer auf, wenn Unruhe entsteht. Sie sind Teil der Mechanik, die Spekulationen am Leben hält. Ob dahinter mehr steckt als journalistische Fantasie, bleibt offen.

Klopp selbst gibt sich gelassen

Er sei "vollkommen zufrieden" mit seiner Situation, so Jürgen Klopp immer wieder, er wolle nirgendwo anders sein. Auch die Gerüchte um Real Madrid nach der Trennung von Xabi Alonso lässt er an sich abprallen. Das seien "nur Spekulationen der Medien". Diese Souveränität passt zu einem Mann, der nach Jahren an der Seitenlinie bewusst einen anderen Weg gewählt hat.

Und doch bleibt ein Unbehagen. Red Bull hat Klopp nicht geholt, um ihn im Verborgenen wirken zu lassen. Der Konzern wollte ein Gesicht, eine Marke, einen Namen, der für Fußballkompetenz steht. Wenn dieses Gesicht nach gut einem Jahr bereits Gegenstand von Abschiedsspekulationen wird, dann stimmt etwas nicht. Entweder in der Kommunikation nach außen. Oder in den Erwartungen nach innen.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Klopp bei Red Bull bleibt. Die Frage ist, ob eine Rolle ohne Titel, ohne Spieltage, ohne sichtbare Siege auf Dauer zu einem Mann passt, der sein ganzes Berufsleben lang für genau diese Momente gelebt hat. Mintzlaff kann noch so laut dementieren. Die Zweifler wird er damit nicht zum Schweigen bringen.