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Jugendstil: Beim VfL Wolfsburg entsteht was Großes

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!

Kollege Alfred Draxler hat mit dem Begriff "Plastikklubs", den er in seiner neuen Bild-Kolumne verwendet, eine wichtige Debatte erneuert. Man kann verkürzt die Frage stellen: Wie planbar darf ein Fußballklub eigentlich sein und von Firmen, die's haben, finanziert werden?

Kollege Lars Vollmering, bekannt als Lenny Nero, hat mir über Jahre eingetrichtert, dass die Fußballfeste beim VW-Klub VfL Wolfsburg nicht weniger leidenschaftlich als in Gelsenkirchen ausfallen, nur weil der Anhang auf Schalke größer ist und mehr Vereinsgeschichten vorweisen kann.

Für mich ist das Drumherum eh nebensächlich. Ich mach's mir einfach und schaue nur darauf, was auf dem Rasen passiert. Und da stellt man fest: Der VfL Wolfsburg, dieses Jahr in der Champions League, ist massiv erfolgreicher als Absteiger Schalke 04. Soll man Wolfsburg deshalb dissen?

Zur Erneuerung in unserer Gesellschaft gehört, dass ständig Firmen und Produkte auf den Markt kommen, die vorher niemand kannte, aber offenbar interessant gesund sind, Altes zu verdrängen. Vielleicht ist das auch beim Fußball so: Neues verdrängt Altes. Damit ist es noch lange kein Plastik.

Der VfL Wolfsburg gehört der Bundesliga fast 25 Jahre an.

Einen traditionsreichen Dienstag wünscht

Euer Pit Gottschalk

Plastiktrio an der Tabellenspitze

Plastiktrio an der Tabellenspitze

Bild-Kolumnist Alfred Draxler macht sich Gedanken um die 50+1-Regel in der Bundesliga, an deren Spitze gerade drei „Plastikklubs“ stehen.

Jugendstil: Beim VfL Wolfsburg entsteht was Großes

Von Tobias Holtkamp

Es ging fast ein bisschen unter, was für ein zukunftsträchtiges Sturmduo, bestehend noch dazu aus zwei sehr spannenden deutschen Hoffnungsträgern, sich der VfL Wolfsburg zu einem verhältnismäßig günstigen Preis zuletzt an Bord geholt hat.

Zum einen: Lukas Nmecha, 22 Jahre, Torschützenkönig der U21-EM, die er mit der deutschen Auswahl ja auch noch gewann, kam für 8 Millionen Euro von Manchester City.

Und zum anderen: Jetzt am Wochenende unterschrieb noch Luca Waldschmidt, 25 Jahre alt, die Nr. 10 von Benfica Lissabon. Die mit mit zwei Siegen in die Bundesliga-Saison gestarteten Niedersachsen haben ihre Arbeit gemacht.

Gerade Waldschmidt kann guten Gewissens als nächster Transfer-Geniestreich von VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke bezeichnet werden. Den handlungsschnellen und abschlussstarken Offensivspieler hatten auch andere Manager guter Bundesliga-Klubs auf dem Zettel, die in der vergangenen Woche aber, so ist es zu hören, sehr plötzlich überrascht wurden, dass Schmadtke die Personalie Waldschmidt im Grunde schon durch hatte.

In der Chefetage eines größeren West-Klubs sollen am Donnerstag, so berichtete ein Beteiligter, einige sehr deutliche Worte gefallen sein in Richtung Abteilung Kaderplanung. Sinngemäß: "Warum wussten wir denn nicht, dass Waldschmidt wirklich zu haben ist? Vielleicht müssen wir uns fragen, was wir den ganzen Tag machen…“

Jörg Schmadtke zeigt sein Näschen

Jörg Schmadtke, dessen Sohn Nils beim VfL Wolfsburg unter Sportdirektor Marcel Schäfer als Chef-Scout arbeitet, soll das Projekt Waldschmidt unter höchster Geheimhaltung vorangetrieben haben. Nur ein enger Kreis war involviert, um alles möglichst in trockenen Tüchern zu haben, bevor irgendwo das Gerede beginnt - und andere Interessenten in die Spur bringt.

Die Wolfsburger Trümpfe, mit Champions League, dem neuen Trainer Mark van Bommel und einem sehr starken Bundesliga-Kader, der über den Sommer nicht einen Abgang zu verzeichnen hatte, waren gut. Dazu wurde Waldschmidt in den Gesprächen ein fester Platz auf seiner Lieblingsposition hinter den Spitzen in Aussicht gestellt.

Das Team Schmadtke hat schon in den vergangenen beiden Jahren sehr kluge Transfers getätigt, allesamt sportliche Soforthilfen, aber eben auch große Wertanlagen. Für Maxence Lacroix, 20, letzten Sommer für 5 Millionen Euro Ablöse vom französischen Zweitligisten Sochaux gekommen, bot RB Leipzig zuletzt angeblich bis zu 24 Millionen. Schmadtke lehnte ab, in der festen Annahme, dass nach einer weiteren starken Saison, dann auch in der Champions League, deutlich mehr zu erlösen sein wird. Wenn sie Lacroix nicht sogar noch länger behalten, sein Vertrag läuft bis 2024.

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Auch Ridle Baku, 2020 für 10 Millionen aus Mainz gekommen, hat seinen Marktwert durch konstant gute Leistungen nach hinten, aber auch große Torgefahr nach vorne, mittlerweile verdreifacht. Genau wie Waldschmidt und Nmecha soll er in Zukunft ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft werden. Die Wolfsburger reiben sich die Hände, Bakus Vertrag läuft bis 2025 - ohne Ausstiegsklausel.

Trotz ihrer verhältnismäßig jungen Jahre haben Baku, Nmecha und Waldschmidt schon einiges erlebt in ihren Karrieren. Länderspiele, internationale Turniere, Klubs im Ausland, auch große Erwartungshaltungen. Viele Ungewissheiten gibt es da nicht mehr, die Wolfsburger konnten in jedem der Fälle gut kalkulieren, wen sie da im Kader begrüßen.

Schmadtke und seine VfL-Connection machen viel richtig. Hinter den Kulissen haben sie vielen Mitbewerbern schon einiges voraus, an Netzwerk, Einfallsreichtum und Handlungsschnelligkeit. Ziemlich sicher, dass sie auch auf dem Platz eine konstant große Nummer werden. Die Champions League, Freitag ist die Gruppenauslosung, kann auf jeden Fall kommen.

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