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Ist Schalke noch zu retten?

Guten Morgen, liebe Fußballfreunde!

Der Kicker hat gestern ein erhellendes Zahlenwerk veröffentlicht und im Detail aufgelistet, welches TV-Geld jeder einzelne Bundesliga-Verein aus dem gemeinsamen Topf erhält. Wenig überraschend: Bayern München kassiert die höchste Summe - insgesamt 105,4 Mio. Euro aus der nationalen und internationalen Vermarktung der Medienrechte. Das TV-Geld für die Saison 2020/21 ist nicht nur imposant, sondern ein Rekord: So viel bekam sogar der Rekordmeister noch nie zuvor. Erstmals wurde die Marke von einhundert Millionen Euro geknackt. Es sei dem FC Bayern gegönnt.

Aufsteiger Arminia Bielefeld bekommt übrigens 34,3 Mio. Euro, also nur ein Drittel, und sogar der direkte Titelrivale RB Leipzig nur 81,7 Mio. Euro, also  zwanzig Millionen weniger als Bayern. Natürlich gibt es Gründe dafür, warum das TV-Geld nach der Volksweisheit "Teufel und dickster Haufen" verteilt wird. Die Liga macht es sich nicht leicht mit dem Verteilungsschlüssel. Noch diese Woche, so hört man, werden die neuen Kriterien verabschiedet. Vermutlich wird sich nichts großartig ändern. Wie beim Tabellenbild der Liga: Bayern oben, Bielefeld unten und die Bullen irgendwo dazwischen.

Einen großzügigen Montag wünscht

Euer Pit Gottschalk

Ist Schalke noch zu retten?

Gute Ansätze reichen nicht

Der FC Schalke 04 geht nach einer chaotischen Woche auch gegen Gladbach unter. Benedikt Höwedes sieht gute Ansätze, erkennt aber auch große Mängel.

Von Ralph Durry

Hinter Schalke 04 lag eine weitere Chaos-Woche. Es gab diverse personelle Entscheidungen, die auf jeden Fall nachvollziehbar waren. Allerdings hat sich dies nicht in einem Positiv-Ergebnis am Samstag bemerkbar gemacht.

Während der 1. FC Köln seine Sieglosserie von 18 Spielen ausgerechnet bei Vizemeister Borussia Dortmund beendete, feierte S04 durch das 1:4 bei Borussia Mönchengladbach "silbernes Jubiläum". 25 Partien in Folge ohne Sieg, das ist eine Hausnummer.

Sechs Begegnungen ohne Dreier fehlen noch zur Einstellung des Negativrekords von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66. Gibt es denn überhaupt Ansätze für eine Trendwende? Die ersten 35 Minuten spielte Schalke bei Gladbach ordentlich mit, danach fiel das Team aber wie so oft in dieser und der letzten Saison auseinander.

Schalke 04 am Boden

Der FC Schalke 04 ist nur bedingt konkurrenzfähig. Eine Situation wie diese hat der stolze Klub noch nicht erlebt – er blickt auf eine Bilanz des Schreckens.

Die Borussia spielte keineswegs am Leistungslimit, aber es reichte, um den Tabellenletzten in Schach zu halten und das Spiel klar zu gewinnen. Man müsse jetzt in den Abstiegsmodus schalten, verkündete Sascha Riether, auf Schalke neues Bindeglied zwischen Mannschaft und Vorstand. Das ist ja eine ganz neue Erkenntnis!

Auch die faden Durchhalteparolen von Sportvorstand Jochen Schneider sind nicht gerade dazu geeignet, daran zu glauben, dass die Königsblauen über kurz oder lang den Bock umstoßen. Immerhin denkt er nicht daran, die Brocken hinzuschmeißen. Allerdings wird es um Schneider herum auch immer einsamer.

Teuer und Mittelmaß

Noch sind 75 Punkte zu vergeben, doch bei Schalke fühlt es sich so an, als stünde der Abstieg bereits fest - der Absturz begann schon zu besseren Zeiten.

Schalke beschwört so gerne "GEmeinsam" - so der Hashtag eines Gänsehaut-Fan-Videos. Auf dem Platz ist davon aber nach wie vor wenig bis nichts zu sehen. Eine Mannschaft steht nicht auf dem Platz, lediglich eine Ansammlung von Individualisten. Und Trainer Manuel Baum ist bislang nicht gelungen, die riesengroße Defizite in allen Mannschaftsteilen abzustellen.

Die Frage stellt sich: Ist er der Herkulesaufgabe überhaupt gewachsen? Bei seiner Vorstellung sprach der Coach das Thema selbst an: "Ist der Baum nicht zu klein für das Ganze? Aber lasst mich mal machen, denn ich weiß ganz gut, was ich tue."

Sorry, Herr Baum, aber die Zweifel daran werden immer größer.

Ralph Durry ist Fußballchef beim Sport-Informationsdienst (SID)

Immer wieder sonntags

1:1! Hoeneß zofft sich mit der Mainz-Bank

Wieder nix und Wut nach Rot bei der TSG Hoffenheim: Das 1:1 in Mainz ist das siebte Sieglos-Spiel in der Liga für die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß.

0:0! Erste Nullnummer nach fünf Siegen

Das torlose Remis zwischen Bayer 04 Leverkusen und Hertha BSC bot kaum Höhepunkte.

Hertha BSC feiert Achtungserfolg in Leverkusen

In der Defensive standen die Berliner diesmal sicher, zu mehr reichte es aber nicht.

Heute im Fernsehen

20.30 Uhr, Sky: 2. Liga, VfL Bochum - Fortuna Düsseldorf

Was sonst noch so los ist

Borussia Dortmund: Lucien Favres erste Kritik an Erling Haaland

Es ist Kritik auf hohem Niveau – doch sie hat ihre Berechtigung. Die 1:2 -Niederlage von Borussia Dortmund gegen Köln hat auch mit Erling Haaland zu tun.

1. FC Köln der große Gewinner im Keller

Mit dem 2:1 bei Borussia Dortmund überraschte die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol die Konkurrenz im Tabellenkeller.

Bayern hat drei Probleme

Der FC Bayern offenbart Schwächen. Abhilfe zu schaffen, ist bei dem engen Terminplan gegenwärtig quasi unmöglich.

Steffen Freund entschuldigt sich

Der ehemalige BVB-Spieler ärgerte sich über seine Äußerungen im Sport1 Doppelpass und entschuldigte sich bei Twitter.

Auf Max Kruse kann man wetten

Es läuft bei den Köpenickern: Der Union-Stürmer zeigt sich beim turbulenten 3:3 gegen Eintracht Frankfurt wieder als Torgarant.

Arminia Bielefeld: Keine weiße Fahne

Sieben Niederlagen am Stück sind ziemlich viele, vier Punkte ziemlich wenige. Bielefeld kämpft trotzdem unverdrossen weiter.

Jürgen Klopps sarkastischer Glückwunsch

Der Liverpool-Trainer gibt einem TV-Sender die Mitschuld an den  verletzten Spielern. Es kommt zum Streit mit einem Reporter.

Niemand steigt so schön nicht auf wie der HSV

Der Hamburger SV holt sich sein Trauma zurück

Jetzt ist sie nicht mehr wegzureden, die Krise. Der HSV bleibt auch im vierten Spiel in Folge sieglos und kassiert beim 2:3 in Heidenheim die zweite Saisonpleite. Nach einem starken Start brach die Mannschaft von Daniel Thioune trotz einer 2:0-Führung völlig ein und grüßt erstmals seit dem zweiten Spieltag nicht mehr von der Tabellenspitze. Stattdessen holten sich die Hamburger ihr Trauma zurück.

Von Alex Steudel

Die Ironie des Schicksals ist seit Jahren eine zuverlässige Gefährtin des HSV. Jeder weiß das.

Aber was gestern im Spiel gegen den 1. FC Heidenheim passiert ist, schlägt dem Fass den Boden aus: Beim 2:3 in Ostwürttemberg schoss ein Spieler namens KÜHLWETTER alle Tore gegen die Norddeutschen. KÜHLWETTER! Völlig klar: ein Zeichen von oben. Dass KÜHLWETTER ganz Hamburg in Atem hält, kannst du nicht erfinden, das ist einfach zu gut, da hatten garantiert die Fußballgötter ihre fiesen Hände im Spiel.

Wer anderer Meinung ist und wirklich glaubt, Fußball sei einfach nur ein weiterer Ballsport und alles Zufall, schaue bitte mal auf den Treffer zum 2:1 gegen den Superschuldenklub. Der wurde nämlich von einem Heidenheimer Spieler namens THEUERKAUF vorbereitet. Echt jetzt. Damit sind wirklich alle Themen besetzt, eine Steigerung ist unmöglich.

Was ich damit eigentlich sagen will: Niemand steigt so schön nicht auf wie der HSV. Sobald du denkst, es könne nicht mehr schlimmer kommen, kommt es schlimmer. Das geht jetzt schon seit Jahren so. Der HSV ist eine echte Misserfolgsgeschichte.

Im neuen Kapitel bleibt der angeblich neue, tolle, seit Sommer hochgelobte und im dritten Anlauf diesmal ganz bestimmt aufsteigen werdende Hamburger Sportverein den ganzen November über sieglos und ist am Ende bloß noch Zweiter. Einfach so. Ohne Erklärung, ohne Absprache.

Das würde zwar zum Aufstieg reichen, aber es bahnt sich eben das übliche Prozedere an, nur früher in der Saison als sonst: Obwohl der Europapokalsieger von 1983 schon 27mal Zweitliga-Tabellenführer war, hat er bisher noch jedes Mal die Klasse gehalten. Der gekonnt erstolperte, millionenschwere Nicht-Aufstieg ist schon ein Klassiker in Hamburg.

An dieser Stelle müsste jetzt eine Analyse erfolgen. Fachlich profund, kompetent, schlüssig. Nur: Der HSV lässt sich längst nicht mehr erklären, das weiß hier jeder in der Stadt. Der HSV ist einfach da, er verliert, und unten sickert das Geld raus. Keiner weiß warum, aber es ist so. Die Hauptanalysetätigkeit der Hamburger besteht deshalb seit vielen Jahren aus schulterhängendem Kopfschütteln.

Ja, ich gebe zu, diese Kolumne ist unprofessionell geraten: Sie bietet keine Erklärungen, keine Lösungen. So gesehen, gibt sie die Lage aber perfekt wieder. Denn ehrlich gesagt funktioniert der HSV ja ganz genau so.

Alle mal herhören!

Ohne Borussia Dortmund geht's nicht

Seit 2005 ist Hans-Joachim Watzke der Boss von Borussia Dortmund. Der einstige Schatzmeister bewahrte den Traditionsclub vor der Pleite und wurde mit ihm zweimal Deutscher Meister und Pokalsieger. Aki Watzke spricht über die besondere Beziehung zu seinem verstorbenen Vater, über Freundschaften in der Politik und verrät, warum er sich ein Leben ohne den BVB nicht vorstellen kann.