Iranische Fußballerinnen im Krieg: Der Weltfußball versagt bei seiner Verantwortung
Während die Heimat brennt, läuft der Spielplan weiter. Der internationale Fußball hat die Mittel zu helfen – und schweigt trotzdem.
Sara Didar kämpft mit den Tränen, als Reporter sie nach dem Krieg fragen. Eine 21-jährige Stürmerin, die bei einer Asienmeisterschaft in Australien steht und nicht weiß, wie es ihrer Familie geht. Ich beobachte diese Szene und frage mich: Was sagt es über den Zustand des Weltfußballs, wenn wir solche Bilder als Randnotiz behandeln?
Die iranischen Fußballerinnen sind in einer Situation gefangen, die sich niemand aussucht. Sie reisten wenige Tage vor Beginn der Angriffe nach Australien, um ihr Land bei der Asienmeisterschaft zu vertreten. Jetzt herrscht in der Heimat Krieg, und eine Internetsperre macht es fast unmöglich, Kontakt zu halten. Trainerin Marziyeh Jafari spricht von großen Sorgen um Familien und Angehörige. Gleichzeitig soll das Team professionell Fußball spielen und sich auf das Spiel gegen Australien konzentrieren.
Ich halte das für eine Zumutung, die wir nicht einfach hinnehmen sollten. Diese Frauen nehmen erst zum zweiten Mal an einer Asienmeisterschaft teil, nach ihrem Debüt 2022 in Indien. Für den iranischen Frauenfußball ist das ein historischer Moment. Doch statt über sportliche Entwicklung zu sprechen, müssen sie erklären, warum sie überhaupt noch auf dem Platz stehen.
Die erste Partie gegen Südkorea ging mit 0:3 verloren. Am Sonntag steht noch das Spiel gegen die Philippinen an. Ergebnisse, die unter normalen Umständen analysiert würden. Aber was ist hier schon normal? Diese Spielerinnen tragen eine Last, die kein Trainingsplan vorbereitet. Sie repräsentieren ein Land, dessen Bevölkerung leidet, während sie selbst abgeschnitten sind von allem, was ihnen wichtig ist.
Der internationale Fußball feiert sich gern als verbindende Kraft. Als Brücke zwischen Kulturen, als Botschafter des Friedens. Doch wenn es darauf ankommt, bleibt er stumm. Keine Solidaritätsbekundung des asiatischen Verbands, die über Routine hinausgeht. Keine Debatte darüber, wie man Spielerinnen in solchen Extremsituationen unterstützt.
Mich irritiert diese Gleichgültigkeit. Der Profifußball hat Ressourcen, Reichweite und Einfluss. Er könnte Kommunikationskanäle öffnen, psychologische Betreuung organisieren, ein Zeichen setzen. Stattdessen läuft der Spielplan weiter, als wäre nichts geschehen.
Die iranischen Fußballerinnen werden am Donnerstag gegen Australien antreten. Sie werden ihr Bestes geben, wie Jafari ankündigte.