Iranische Fußballerinnen fliehen zur Polizei in Australien – und die FIFA schweigt feige

Fünf Spielerinnen suchen Schutz vor ihrem eigenen Staat. Der Weltverband versteckt sich hinter dem Mantra der politischen Neutralität.

Iranische Fußballerinnen fliehen zur Polizei in Australien – und die FIFA schweigt feige
IMAGO/AAP

Fünf Frauen verlassen ein Hotel in Australien und suchen Schutz bei der Polizei. Fünf Fußballerinnen, die wenige Tage zuvor noch für ihr Land gespielt haben. Ich muss das einen Moment sacken lassen, weil diese Szene so viel über den Zustand unserer Welt erzählt.

Die iranischen Nationalspielerinnen hatten beim Auftaktspiel der Asienmeisterschaft gegen Südkorea die Nationalhymne nicht mitgesungen. Ein stummer Protest, der im iranischen Staatsfernsehen sofort als Verrat eingestuft wurde. Ein Kommentator nannte sie "Kriegsverräterinnen" und forderte Konsequenzen. Vor den folgenden Spielen gegen Australien und die Philippinen sangen die Spielerinnen dann wieder – und salutierten dabei. Wer glaubt, das sei freiwillig geschehen, hat die Mechanismen autoritärer Regime nicht verstanden.

Was mich an diesem Fall beschäftigt, ist nicht nur das individuelle Schicksal dieser Frauen. Es ist die Frage, wie der Fußball mit seiner eigenen politischen Dimension umgeht. Die FIFA predigt seit Jahren, der Sport stehe über der Politik. Doch wenn Spielerinnen um ihr Leben fürchten müssen, weil sie bei einer Hymne schweigen, dann ist diese Trennung eine Lüge. Der Fußball ist längst zur geopolitischen Bühne geworden, ob die Verbände das wahrhaben wollen oder nicht.

Donald Trump hat sich eingeschaltet und Australien öffentlich aufgefordert, dem Team Asyl zu gewähren. Der US-Präsident sprach von einem "schrecklichen humanitären Fehler" und bot an, die Spielerinnen in den USA aufzunehmen. Man kann von Trump halten, was man will, aber seine Intervention zeigt, wie schnell aus einem Fußballturnier ein diplomatischer Konflikt wird. Der Sport liefert die Bilder, die Politik nutzt sie.

Die eigentliche Tragödie liegt jedoch tiefer. Diese Frauen haben sich entschieden, Fußball zu spielen – in einem Land, das ihnen dieses Recht lange verwehrt hat. Sie haben trainiert, gekämpft, sich qualifiziert. Und dann reicht ein Moment des Schweigens, um alles zu zerstören. Der Verzicht auf eine Hymne, der in jedem anderen Land als persönliche Entscheidung durchgehen würde, wird im Iran zur Staatsaffäre.

Ich frage mich, was die FIFA jetzt tut. Ob es Stellungnahmen gibt, Schutzmaßnahmen, irgendeine Form von Solidarität. Oder ob man in Zürich wieder darauf verweist, dass man sich nicht in politische Angelegenheiten einmische. Diese Haltung war schon immer feige. Angesichts von Frauen, die vor ihrer eigenen Regierung fliehen, ist sie zynisch.