ICE bei der WM 2026: Die FIFA hat sich in eine Sackgasse manövriert
Die Rolle der ICE bei der WM 2026 sorgt für Diskussionen.
Die FIFA hat sich die Fußball-WM 2026 als Fest der Völkerverständigung vorgestellt. Ein Turnier in drei Ländern, Nordamerika als Gastgeber der Welt. Doch was sich gerade in Washington abspielt, wirft einen Schatten auf dieses Vorhaben, der nicht so leicht verschwinden wird. Todd Lyons, der amtierende Chef der US-Einwanderungsbehörde ICE, hat vor dem Kongress unmissverständlich klargemacht: Seine Behörde wird eine zentrale Rolle bei den Sicherheitsmaßnahmen spielen. Das ist zunächst einmal eine Tatsachenfeststellung. Doch sie offenbart ein Problem, das die FIFA und die amerikanischen Organisatoren nicht ignorieren können. ICE ist keine gewöhnliche Sicherheitsbehörde. Die Einwanderungsbehörde steht für eine Politik, die international heftig kritisiert wird. Die aggressive Vorgehensweise der Agenten, die teils brutalen Einsätze – all das hat bereits zu vereinzelten Boykottaufrufen geführt. Selbst bei den Olympischen Winterspielen in Italien sorgte die Präsenz von ICE-Beamten für Empörung. Das ist der Kontext, in dem nun eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden soll. Die demokratische Politikerin Nellie Pou aus New Jersey, in deren Bezirk das WM-Stadion in East Rutherford liegt, hat die entscheidende Frage gestellt: Was passiert, wenn Fans das Gefühl haben, zu Unrecht herausgezogen oder ungerechtfertigt inhaftiert zu werden? Es ist eine Frage, die Lyons nicht wirklich beantwortet hat. Stattdessen versicherte er, dass ICE alles daransetze, eine sichere Veranstaltung zu gewährleisten. Das klingt nach Standardformulierung, nicht nach Problemlösung. Elf der 16 Gastgeberstädte liegen in den USA. Das bedeutet: Der Großteil dieses Turniers findet unter den Augen einer Behörde statt, die weltweit für Kontroversen sorgt. Fans aus aller Welt werden einreisen, viele von ihnen aus Ländern, deren Bürger unter der aktuellen US-Einwanderungspolitik besonders zu leiden haben. Die Vorstellung, dass diese Menschen unbeschwert ein Fußballfest feiern, während ICE-Agenten im Hintergrund operieren, ist bestenfalls naiv. Die FIFA hat sich in eine Situation manövriert, in der sie kaum noch Handlungsspielraum besitzt. Die Vergabe an Nordamerika war eine Entscheidung für wirtschaftliche Potenz und infrastrukturelle Perfektion. Dass politische Realitäten diese Rechnung durchkreuzen könnten, hat man in Zürich offenbar nicht einkalkuliert. Was bleibt, ist ein Turnier unter Vorbehalt. Die WM 2026 wird sportlich funktionieren, die Stadien werden voll sein, die Fernsehbilder werden glänzen. Aber die Frage, ob sich jeder Besucher willkommen fühlen kann, bleibt offen. Und das ist für ein Weltturnier ein verheerendes Signal.