HSV zahlt halbe Million Euro DFB-Strafe: Das Problem ist nicht alleine Pyrotechnik
HSV wird wegen Fanverhalten mit 503.400 Euro bestraft.
Der HSV muss zahlen. 503.400 Euro, davon allein 300.000 Euro für das Nordderby gegen Werder Bremen. Die Zahlen sind eindeutig, die Botschaft des DFB-Sportgerichts ist es auch: Wer seine Fans nicht im Griff hat, wird zur Kasse gebeten.
Man kann diese Strafe als überzogen kritisieren. Man kann sie als Symbolpolitik abtun. Man kann auch darauf verweisen, dass Pyrotechnik zur Fankultur gehört und niemand ernsthaft zu Schaden kam. All das ändert nichts an der Realität: 78 Bengalische Feuer, 51 Blinker, fünf Rauchtöpfe und mindestens 80 Rauchraketen aus vier Batterien – das ist keine spontane Gefühlsregung mehr. Das ist organisierte Regelverletzung.
Die Plastikkappen der Rauchraketen landeten auf dem Spielfeld. Der Wiederanpfiff verzögerte sich um annähernd acht Minuten. Acht Minuten, in denen ein Bundesligaspiel stillstand, weil eine Gruppe von Menschen entschieden hatte, dass ihre Form der Unterstützung wichtiger ist als der sportliche Wettbewerb.
Das ist der eigentliche Skandal: nicht die Pyrotechnik an sich, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der hier Grenzen überschritten werden.
Der HSV steht vor einem Dilemma
Die leidenschaftliche Fanszene ist Teil der Identität, Teil dessen, was den Klub ausmacht. Gleichzeitig kann kein Verein dulden, dass einzelne Gruppen das Geschehen diktieren. Die Möglichkeit, bis zu 167.500 Euro der Strafe in eigene sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen zu investieren, ist dabei mehr als ein Trostpflaster. Es ist eine Aufforderung.
Die Frage ist, ob der HSV diese Aufforderung annimmt. Ob der Verein den Dialog mit seiner Fanszene sucht oder ob er die Strafe als unvermeidlichen Kollateralschaden verbucht. Die bisherige Bilanz stimmt nicht optimistisch: Acht Geldstrafen in einem Urteil sprechen eine deutliche Sprache. Das Nordderby war offensichtlich kein Einzelfall.
Der DFB wird für seine Strafpraxis regelmäßig kritisiert. Zu hart, zu willkürlich, zu weit weg von der Lebensrealität in den Kurven. Manches davon ist berechtigt. Aber wer ein Spiel acht Minuten lang unterbricht, wer Gegenstände aufs Spielfeld befördert, der muss mit Konsequenzen rechnen. Das ist keine Frage der Fankultur, sondern des Anstands.
Der HSV zahlt jetzt die Rechnung. Die eigentliche Arbeit beginnt danach. Denn Geldstrafen ändern kein Verhalten. Das können nur die Vereine selbst – und ihre Fans.