HSV trotzt den Bayern und beweist, dass er mehr will als nur dabei sein

Ein bemerkenswerter Punktgewinn für den HSV gegen den Rekordmeister.

HSV trotzt den Bayern und beweist, dass er mehr will als nur dabei sein
IMAGO/Eibner

Der Hamburger SV hat gegen Bayern München ein 2:2 erkämpft, und ja, dieses Ergebnis darf man durchaus als kleinen Triumph werten. Nicht weil ein Remis gegen den Rekordmeister per se eine Sensation wäre, sondern weil die Art und Weise bemerkenswert war, wie sich dieser Aufsteiger gegen den Branchenprimus behauptete. Merlin Polzin sprach von einem magischen Abend im Volkspark, und man muss ihm zugestehen: Der Begriff ist nicht übertrieben. Nach Jahren ohne Bundesliga-Duelle gegen die Bayern war dieses Spiel mehr als nur ein Punktgewinn. Es war ein Statement. Der HSV ließ sich weder von der Kulisse noch vom Gegner einschüchtern, ging durch Fabio Vieiras Foulelfmeter in Führung und steckte den Doppelschlag durch Harry Kane und Luis Diaz binnen vier Minuten weg, ohne zu zerbrechen. Die taktischen Kniffe, die Polzin ansprach, waren keine leeren Worte. Seine Mannschaft nahm die Bayern durch permanente Rotationsbewegungen auf eine Reise, wie er es formulierte. Das klingt nach Trainersprech, beschreibt aber präzise, was auf dem Platz passierte: Der HSV zwang München zu ständigen Anpassungen, störte den gewohnten Spielfluss und schuf sich dadurch Räume, die ein vermeintlich unterlegenes Team normalerweise nicht bekommt. Der Protagonist des Abends war jedoch ein 18-Jähriger. Luka Vuskovic, von Tottenham Hotspur ausgeliehen, erzielte den Ausgleich und unterstrich damit einmal mehr sein außergewöhnliches Potenzial. Vier Saisontore hat der kroatische Innenverteidiger mittlerweile auf dem Konto. Für einen Defensivspieler seines Alters ist das beachtlich. Polzin ordnete die Leistung seines Schützlings nüchtern ein: Die Qualitäten kämen nicht durchs Fingerschnipsen, sondern durch harte Arbeit. Gleichzeitig sehe er noch Raum für Verbesserungen. Diese Einschätzung zeigt, dass beim HSV niemand abhebt. Das ist vielleicht das Wertvollste an diesem Abend. Ein Remis gegen Bayern kann schnell zu Übermut verleiten, zu der Illusion, man sei weiter als man tatsächlich ist. Polzin und sein Team scheinen zu wissen, wo sie stehen. Sie genießen den Moment, ohne sich von ihm blenden zu lassen. Für den HSV war dieses Spiel ein Beweis dafür, dass die Rückkehr in die Bundesliga mehr ist als nur Teilnahme. Diese Mannschaft will mitspielen, will den Großen wehtun. Ob das über eine Saison trägt, wird sich zeigen. Aber dieser Abend im Volkspark hat gezeigt: Der HSV ist zurück, und er meint es ernst.