HSV-Trainer Polzin setzt alles auf einen Spieler, den er kaum kennt

Winterzugang Downs soll beim Hamburger SV für mehr Torgefahr sorgen.

HSV-Trainer Polzin setzt alles auf einen Spieler, den er kaum kennt
IMAGO/Pro Sports Images

Der Hamburger SV startet mit einem Hoffnungsträger ins neue Jahr, den vor wenigen Wochen kaum jemand auf dem Zettel hatte. Damion Downs, ausgeliehen vom FC Southampton bis Saisonende, könnte bereits am Samstag in Freiburg von Beginn an auflaufen. Trainer Merlin Polzin macht keinen Hehl daraus, dass er den ehemaligen Kölner als echte Option für die Startelf betrachtet.

Das ist bemerkenswert. Normalerweise brauchen Winterzugänge Zeit, um sich in ein neues System einzufinden, die Mitspieler kennenzulernen, die Abläufe zu verinnerlichen. Polzin aber scheint von Downs derart überzeugt zu sein, dass er ihm sofort Verantwortung übertragen will. Die Aussagen des Trainers lassen wenig Interpretationsspielraum: volle Energie, Power, eine gute Verbindung. Das klingt nach mehr als höflichen Floskeln für einen Neuen.

Was Downs mitbringen soll, ist klar definiert: Tiefgang, Tempo, Boxpräsenz. Drei Eigenschaften, die dem HSV in dieser Saison immer wieder gefehlt haben. Die Hamburger tun sich schwer damit, Räume hinter der gegnerischen Abwehr zu attackieren. Sie sind zu oft berechenbar, zu statisch im letzten Drittel. Ein Spieler, der die Tiefe sucht und im Strafraum präsent ist, könnte genau das fehlende Element sein.

Personalsorgen zwingen HSV zum Risiko

Die Personalsituation zwingt Polzin ohnehin zum Handeln. Robert Glatzel fehlt nach seinem Muskelfaserriss weiterhin, Yussuf Poulsen fällt länger aus. Dazu kommen die erkrankten Fabio Baldé, Anssi Suhonen und Rayan Philippe. Der Kader ist ausgedünnt, die Optionen sind begrenzt. Downs kommt also nicht nur als Verstärkung, sondern als Notwendigkeit.

Genau hier liegt aber auch das Risiko. Ein Leihspieler, der nach wenigen Trainingseinheiten ins kalte Wasser geworfen wird, kann scheitern. Die Erwartungen sind hoch, die Situation beim HSV angespannt. Der Klassenerhalt ist das erklärte Ziel, jeder Punkt zählt. Wer in Freiburg von Beginn an spielt, muss liefern.

Polzin geht dieses Risiko bewusst ein. Er vertraut seinem Eindruck, seiner Menschenkenntnis. Das ist mutig, vielleicht sogar notwendig in einer Phase, in der der HSV Impulse braucht. Die Frage ist nur, ob Downs diese Erwartungen erfüllen kann oder ob er unter dem Druck zusammenbricht.

Die Antwort gibt es am Samstag. Dann wird sich zeigen, ob der Winterzugang aus Southampton tatsächlich das fehlende Puzzlestück ist oder nur ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte der HSV-Hoffnungsträger, die am Ende doch nicht hielten, was sie versprachen.