Hoeneß' Kampfansage an Spielerberater klingt entschlossen – aber zahlt Bayern am Ende nicht doch?
Der Ehrenpräsident droht mit schwarzen Listen. Doch wer Top-Agenten ausschließt, riskiert den Zugang zu den besten Spielern.
Uli Hoeneß will Spielerberater auf schwarze Listen setzen und deren Klienten nicht mehr verpflichten. Das ist eine Ansage, die aufhorchen lässt. Ich frage mich allerdings: Ist das ein überfälliger Befreiungsschlag oder nur ein weiterer Hoeneß-Ausbruch, der in ein paar Wochen vergessen sein wird?
Der Auslöser ist bekannt: Die Vertragsverlängerung mit Dayot Upamecano zog sich über Monate, der Ehrenpräsident zeigte sich über das Verhalten des Beraters öffentlich entsetzt. Jetzt hat der Abwehrchef bis 2030 unterschrieben, aber der Ärger sitzt tief.
Hoeneß will künftig härter durchgreifen, Spielern direkt sagen, dass der Verein mit ihrem Berater nicht mehr verhandeln werde. Das ist eine Kampfansage, die über den Einzelfall hinausgeht.
Meine Beobachtung: Bayern München hat in den vergangenen Jahren immer wieder Transfers und Vertragsverlängerungen erlebt, bei denen die Beraterseite den Takt vorgab. Die Honorare stiegen, die Verhandlungen wurden zäher, die Machtverhältnisse verschoben sich. Hoeneß spricht aus, was viele Klubverantwortliche denken, aber selten öffentlich sagen: Der Beitrag der Berater steht in keinem Verhältnis mehr zur Bezahlung.
FC Bayern: Schwarze Listen sind schwierig
Doch ich bleibe skeptisch. Schwarze Listen klingen nach Entschlossenheit, aber sie funktionieren nur, wenn ein Verein bereit ist, auf Top-Spieler zu verzichten, die von bestimmten Agenturen vertreten werden. Ist Bayern München das wirklich? Die großen Berater vertreten oft die besten Spieler. Wer sie ausschließt, schließt sich selbst vom Markt aus. Das weiß auch Hoeneß.
Die eigentliche Machtfrage stellt sich zwischen Klub, Spieler und Berater. Hoeneß will den Spielern klarmachen, dass sie sich entscheiden müssen: Vertrauen sie ihrem Berater - oder wollen sie beim FC Bayern bleiben? Das ist ein riskantes Spiel. Denn Spieler, die sich unter Druck gesetzt fühlen, wechseln am Ende vielleicht doch lieber zu einem Verein, der weniger Bedingungen stellt. Bei Upamecano ging alles gut - er wollte bleiben und kürzte den Verhandlungsprozess zugunsten des FC Bayern ab.
Was bleibt, ist trotzdem eine unbequeme Wahrheit: Der Profifußball hat sich ein System geschaffen, in dem Berater unverzichtbar geworden sind. Wer das ändern will, muss nicht nur laut reden, sondern konsequent handeln. Hoeneß hat oft genug gezeigt, dass er Konflikte nicht scheut. Aber er hat auch oft genug gezeigt, dass Bayern am Ende doch zahlt, wenn der Spieler wichtig genug ist.
Die Frage ist nicht, ob Hoeneß seine Drohung ernst meint. Die Frage ist, ob Bayern München bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, wenn ein Wunschspieler plötzlich unerreichbar wird, weil sein Berater auf der falschen Liste steht.