Hjulmands Grönland-Botschaft zeigt Rückgrat in einer Branche der Schweiger

Hjulmand fordert Respekt und Menschlichkeit in der globalen Politik.

Hjulmands Grönland-Botschaft zeigt Rückgrat in einer Branche der Schweiger
IMAGO/Beautiful Sports

Kasper Hjulmand hat sich aus dem Fenster gelehnt. Der Trainer von Bayer Leverkusen, der mit der Grönländerin Maliina Abelsen liiert ist, hat in einer LinkedIn-Botschaft seine Gedanken an das grönländische Volk gesendet und dabei indirekt die Politik von US-Präsident Donald Trump kritisiert. Das ist bemerkenswert, weil Bundesliga-Trainer normalerweise einen weiten Bogen um geopolitische Themen machen.

Hjulmand schreibt von einer verrückten Welt, in der für manche Führungspersönlichkeiten Wissen, internationale Strukturen und Respekt für kulturelle Unterschiede zum Feind geworden seien. Er spricht von Raubtieren und hofft auf mehr Menschlichkeit. Die Botschaft ist unmissverständlich, auch wenn der Name Trump nicht fällt.

Der 53-Jährige betont, es sei nichts Politisches. Er habe noch nie etwas zu politischen Themen gesagt, es gehe nicht um links und rechts. Das mag man ihm abnehmen oder nicht. Fakt ist: Wenn ein Bundesliga-Trainer öffentlich über Menschenrechte, Empathie und den Umgang mit anderen Völkern spricht, während der US-Präsident Ansprüche auf Grönland erhebt, dann ist das eine politische Aussage. Ob Hjulmand das so nennen will oder nicht.

Die Frage ist, ob das legitim ist. Die Antwort lautet: selbstverständlich. Hjulmand ist Trainer, aber er ist, wie er selbst sagt, in erster Linie auch ein Mensch. Er hat eine persönliche Verbindung zu Grönland durch seine Partnerin. Er hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Und er tut es auf eine Weise, die weder aggressiv noch belehrend wirkt.

Was Hjulmand fordert, ist im Grunde banal: Respekt, Empathie, positive Schwingungen. Er will die Welt zu einem besseren Ort für die nächste Generation machen. Das klingt nach Sonntagsrede, aber in Zeiten, in denen Drohgebärden und Machtpolitik den Ton angeben, ist selbst das Offensichtliche eine Aussage.

Der deutsche Fußball hat sich lange Zeit aus allem herausgehalten, was nach Haltung aussah. Trainer redeten über Pressing und Gegenpressing, über Verletzungen und Spielsysteme. Alles andere war tabu. Hjulmand bricht mit dieser Tradition. Nicht laut, nicht provokant, aber deutlich genug.

Man muss seine Position nicht teilen. Man kann argumentieren, dass ein Fußballtrainer sich auf seinen Job konzentrieren sollte. Aber man sollte anerkennen, dass Hjulmand Rückgrat zeigt. Er riskiert Kritik, er riskiert Schlagzeilen, die von seinem eigentlichen Beruf ablenken. Er tut es trotzdem.

Das ist mehr, als man von den meisten seiner Kollegen erwarten kann. In einer Branche, die Kontroversen scheut wie der Teufel das Weihwasser, ist Hjulmands Grönland-Botschaft ein kleines Ausrufezeichen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.