Hertha nimmt gestrandete Fans im Charterflieger mit – so geht Vereinsfamilie

Zweitligist organisiert Charterflug für Team und für die Anhänger nach Flugausfall

Hertha nimmt gestrandete Fans im Charterflieger mit – so geht Vereinsfamilie
IMAGO/Nordphoto

Es sind die kleinen Gesten, die im Fußball manchmal mehr erzählen als große Transfersummen oder taktische Meisterleistungen. Was sich am Berliner Flughafen BER abspielte, als der Schnee den Betrieb lahmlegte, verdient deshalb Beachtung – nicht wegen des sportlichen Gehalts, sondern wegen der Haltung, die Hertha BSC in diesem Moment zeigte. Der Linienflug nach Portugal war gestrichen. Die Mannschaft saß fest, das Trainingslager in Lagos drohte zum Planungschaos zu werden. Soweit nichts Ungewöhnliches in einem Winter, der Berlin mit unerwarteter Härte traf.

Doch dann passierte etwas, das im durchkommerzialisierten Profifußball selten geworden ist: Der Verein organisierte einen Charterflug und nahm die gestrandeten Fans kurzerhand mit an Bord. Man muss sich das vergegenwärtigen. Fans, die bereits im Flugzeug saßen und dann von der Stornierung ihres Linienfluges erfuhren, landeten plötzlich gemeinsam mit der Mannschaft in Portugal. Keine VIP-Trennung, keine Hierarchie des Geldbeutels. Einfach nur: Wir fliegen zusammen, weil wir zusammengehören.

Hertha BSC ist ein Verein, der in den vergangenen Jahren viel Kritik einstecken musste. Die sportliche Talfahrt in die Zweite Liga, die finanziellen Turbulenzen, die internen Machtkämpfe – all das hat das Verhältnis zwischen Klub und Anhängern strapaziert. Umso bemerkenswerter ist diese Aktion, die zeigt, dass man in der Geschäftsstelle verstanden hat, was Fans für einen Verein bedeuten. Sie sind keine Kunden, die man bedient, wenn es gerade passt. Sie sind Teil der Familie.

Trainer Stefan Leitl fand nach der Ankunft in Lagos die richtigen Worte für seine Mannschaft. Der Umgang mit dem Chaos sei top gewesen, lobte er. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Profifußballer sind Komfort gewöhnt, durchgetaktete Abläufe, maximale Effizienz. Wenn dann plötzlich nichts mehr funktioniert, zeigt sich der wahre Charakter einer Gruppe. Mit 28 Punkten aus 17 Spielen liegt Hertha auf Rang sechs der Zweiten Liga. Das ist solide, aber noch kein Grund für Euphorie.

Die Rückrunde wird zeigen, ob die Mannschaft das Zeug hat, um den Aufstieg mitzuspielen. Doch unabhängig vom sportlichen Ausgang hat dieser Verein am Wochenende etwas bewiesen, das wichtiger ist als jede Tabellenposition: Er hat gezeigt, dass er seine Fans nicht vergessen hat. Und manchmal ist genau das der erste Schritt zurück zu alter Größe.