Heidenheims Kampfgeist allein wird den Abstieg nicht verhindern

13 Punkte nach 22 Spieltagen – noch nie reichte das zum Klassenerhalt.

Heidenheims Kampfgeist allein wird den Abstieg nicht verhindern
IMAGO/Eibner

Dreizehn Punkte nach 22 Spieltagen. Ich lese diese Zahl und weiß sofort, was sie bedeutet: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel hat kein Verein mit dieser Ausbeute den Klassenerhalt geschafft. Nicht einer. Und trotzdem steht Patrick Mainka vor den Kameras und sagt, wer jetzt den Kopf in den Sand stecke, mache den größten Fehler. Ich verstehe den Reflex. Ich respektiere die Haltung. Aber ich frage mich, ob Durchhalteparolen allein noch irgendetwas bewirken können. Der 1. FC Heidenheim erlebt gerade die bitterste Phase seiner noch jungen Bundesliga-Geschichte. Neun Spiele ohne Sieg, die schlechteste Offensive der Liga, die schlechteste Defensive. Das ist keine Momentaufnahme, das ist ein Muster. Sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz klingen nach Hoffnung, aber die Statistik spricht eine andere Sprache. Wer so wenig Punkte hat, wer vorne nicht trifft und hinten nicht standhält, der braucht mehr als Kampfgeist. Das Frustrierende aus Heidenheimer Sicht: Die Mannschaft von Frank Schmidt zeigt Einsatz. Auch in Augsburg war der Auftritt engagiert, die Niederlage laut Schmidt selbst unfassbar bitter. Doch Engagement ohne Ertrag ist im Abstiegskampf wertlos. An beiden Strafräumen fehlt die Konsequenz, die über Siege und Niederlagen entscheidet. Die Abschlussschwäche ist kein neues Phänomen, sie zieht sich durch die gesamte Saison. Im dritten Bundesliga-Jahr zeigt sich, dass der Sprung in die höchste Spielklasse eine Sache ist, sich dort zu behaupten eine völlig andere. Frank Schmidt, der Trainer, der diesen Verein aus der Regionalliga in die Bundesliga geführt hat, steht vor der größten Bewährungsprobe seiner Karriere. Seine Antwort auf die Frage nach der Überzeugung war bezeichnend: Mit einem Sieg wäre sie größer gewesen. Das ist ehrlich. Das ist auch ernüchternd. Denn Siege sind genau das, was diesem Team seit Wochen nicht gelingt. Ich sehe einen Verein, der sich gegen die Realität stemmt. Das verdient Anerkennung. Aber Anerkennung rettet niemanden vor dem Abstieg. Die Tabelle nach 22 Spieltagen ist aussagekräftig, das gibt selbst Mainka zu. Zwölf Spiele bleiben, um Geschichte zu schreiben, die noch nie geschrieben wurde. Die Frage ist nicht, ob Heidenheim kämpfen wird. Die Frage ist, ob Kämpfen reicht, wenn alles andere fehlt.