Heidenheim am Abgrund: Ich mache mir Sorgen um Frank Schmidt
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel vor dem innerschwäbischen Duell mit Stuttgart: War's das bei einer Niederlage etwa schon?
Es ist bitter. Ausgerechnet der eine schwäbische Bundesliga-Verein könnte jetzt zum Sargnagel des anderen schwäbischen Bundesliga-Vereins werden. Wenn der VfB Stuttgart am Sonntag in Heidenheim gewinnen sollte, wofür einiges spricht, wär’s das quasi für den abgeschlagenen Tabellenletzten, behaupte ich mal. Bereits vor dem Anpfiff liegt die Abstiegswahrscheinlichkeit statistisch gesehen bei 94,8 Prozent, danach vermutlich bei 99 Prozent.
Ein Abstieg der Heidenheimer würde kein Volksbegehren nach sich ziehen, aber mir, dem Asterix-Fan, sehr wehtun. Ich liebe nämlich gallische Dörfer; besonders die auf der Schwäbischen Alb gelegenen.
Mir stellt sich die bangste aller Fragen schon vor dem Stuttgart-Spiel: Was wird Frank Schmidt tun, wenn's zu Ende geht? Der Bundesligarekordlaufzeittrainer, dessen Vertrag noch bis 2027 gilt, hat ja kürzlich seinen Abschied angedeutet. Schmidt sagte, er sei in Heidenheim "nicht Trainer aus Selbstzweck, ich möchte Trainer aus Überzeugung sein. Und wenn ich das Gefühl hätte, dass ich nicht mehr helfen kann, dann muss man auch ehrlich zu sich sein."
Wie ehrlich ist Schmidt im Abstiegsfall?

Seine Entlassung muss der 52-Jährige eher nicht befürchten. Schmidt in Heidenheim zu entlassen, das wäre ja auch Gotteslästerung; vergleichbar mit einem Gerichtsbeschluss, der Jürgen Klinsmann zwingt, ab sofort nur noch Hochdeutsch zu reden. Geht einfach nicht.
Schmidt ist etwas, oder schwäbisch gesagt: ebbes Besonderes. Der Steve Jobs des 1. FC Heidenheim. Gut, er hat Heidenheim nicht gegründet, ist aber schon seit 2003 dort. Erst als Spieler. 2007, vor 19 Jahren zu Oberligazeiten, wurde er Trainer.
In dieser Oberliga Baden-Württemberg, einer fünften Liga, sagen sich Füchsle und Häsle noch Gute Nacht. Und zwar gern auch mal auf Türkisch, weil heute Klubs wie "Türkischer SV Singen" und "Türkspor Neckarsulm" in dieser Liga spielen, wie ich gerade recherchiert habe. Sorry, ich schweife ab.
Schmidt führte Heidenheim jedenfalls von dieser Oberliga bis in die Bundesliga und schließlich sogar in den Europacup. Es war ein weiter Weg vom FV Olympia Laupheim II (2007 Trainer Schmidts erster Gegner im Landespokal Württemberg) nach Europa.
Da fällt mir ein: Genau genommen macht das Schmidt wohl eher zum Werner Lorant des 1. FC Heidenheim. Nur eben in etwas besser gelaunterer und schwäbischerer Version. Egal.
Was übrigens die wenigsten wissen, weil man es ihm heute nicht mehr so ansieht: Schmidt war vor damals ein sehr passabler Fußballspieler. In der Gruppenphase der U20-WM zum Beispiel, im Jahr 1993, stand er sogar im deutschen Trikot und neben zwei späteren Vizeweltmeistern auf dem Platz: Didi Hamann und Carsten Ramelow hießen zwei seiner Mitspieler. Wenn die gewusst hätten!
Ja, Frank Schmidt hat so einiges erreicht und erlebt. Er ist eine echte Bereicherung für den deutschen Fußball. Falls er in Heidenheim hinschmeißen sollte, hoffe ich, ihn sehr bald woanders wiederzusehen.
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