Hansi Flicks Interview-Abbruch zeigt: Barcelona hat ein Trainer-Problem
Zwei Niederlagen in Serie, die Tabellenführung verloren – und der Coach sucht Bestätigung bei Journalisten statt Antworten auf dem Platz.
Hansi Flick steht vor einem Journalisten und fragt ihn nach seiner Meinung. Der Reporter weicht aus, will nur Fragen stellen. Flick bricht das Interview ab. Was ich da sehe, ist kein souveräner Trainer, der eine schwierige Situation managt. Ich sehe einen Mann unter enormem Druck, dem die Kontrolle entgleitet.
Die Fakten sind eindeutig: Barcelona verliert 1:2 beim FC Girona, die zweite Pflichtspielpleite in Folge nach dem desaströsen 0:4 gegen Atlético Madrid im Pokal-Halbfinale. Die Tabellenführung in La Liga ist weg, Real Madrid hat übernommen. Und Flick? Der diskutiert mit einem Reporter über ein nicht gepfiffenes Foul an Jules Koundé.
Ich verstehe die Frustration. Schiedsrichterentscheidungen können Spiele drehen, und wenn ein Trainer das Gefühl hat, sein Team wurde benachteiligt, ist Ärger menschlich. Aber die Art, wie Flick diesen Moment handhabte, offenbart mehr als nur Unmut über einen Pfiff. Er wollte Bestätigung von einem Journalisten. Er wollte, dass jemand öffentlich sagt: Ja, Barcelona wurde betrogen. Als diese Bestätigung ausblieb, ging er.
Das ist kein Zeichen von Stärke. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Druck bei einem der größten Klubs der Welt seine Spuren hinterlässt. Die Marca, Madrids Sportzeitung, spricht von den dunkelsten Tagen in der Geschichte des FC Barcelona. Das ist natürlich Übertreibung mit Kalkül aus der Hauptstadt. Aber die Richtung stimmt: Flick steht unter Beobachtung wie kaum ein Trainer zuvor in dieser Saison.
Frei nach der Barca-Pleite
Zwei Niederlagen in Serie, eine davon mit vier Gegentoren, die andere mit dem Verlust der Tabellenspitze: Aber Hansi Flick reagiert, indem er dem Team zwei freie Tage gibt. Manche werden das als kluge Regenerationsmaßnahme lesen. Ich lese es als Eingeständnis, dass er gerade keine bessere Antwort hat.
Die Frage, die sich Barcelona stellen muss, geht über Flick hinaus. Dieser Klub hat in den vergangenen Jahren Trainer verschlissen, Schulden angehäuft und sportliche Krisen durchlebt. Flick wurde geholt, um Stabilität zu bringen. Was er bisher zeigt, ist das Gegenteil: ein Trainer, der in kritischen Momenten die Fassung verliert und sich in Nebenschauplätze verwickeln lässt.
Am Sonntag gegen Levante braucht Barcelona einen Sieg. Aber viel wichtiger: Barcelona braucht einen Trainer, der nach Niederlagen nicht Journalisten nach ihrer Meinung fragt, sondern Antworten auf dem Platz liefert. Die Frage ist nicht, ob Flick unter Druck steht. Die Frage ist, ob er diesem Druck gewachsen ist.