Gladbachs gefährliche Selbsttäuschung: Gute Statistiken ersetzen keine Punkte

Trainer und Sportchef widersprechen sich nach der Niederlage. Drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz mahnen zur Ehrlichkeit.

Gladbachs gefährliche Selbsttäuschung: Gute Statistiken ersetzen keine Punkte
IMAGO/Jan Huebner

Eugen Polanski ist extrem sauer. Der Gladbach-Coach hadert nach dem 0:3 in Frankfurt mit einer Niederlage, die er für vermeidbar hält. Sein Matchplan sei aufgegangen, sagt er, offensiv wie defensiv. Ich höre das und frage mich: Wie kann ein Plan aufgehen, wenn am Ende drei Gegentore stehen und vorne nichts passiert?

Das ist der Kern des Problems, das ich bei Borussia Mönchengladbach sehe. Die Statistik liest sich gut: 20:12 Torschüsse, mehr Ballbesitz, eine engagierte Leistung bis zum Schluss. Sportchef Rouven Schröder hat recht, wenn er sagt, dass jemand ohne Spielkenntnis auf ein klares Abwatschen tippen würde. Aber genau hier liegt der Denkfehler. Fußball wird nicht nach Expected Goals entschieden, sondern nach echten Treffern. Und die schoss ausschließlich Frankfurt.

Polanski spricht von fehlender Qualität in beiden Strafräumen. Das ist eine ehrliche Analyse, aber auch eine gefährliche. Denn wenn der Trainer nach sechs Spielen ohne Sieg die Qualität seiner Spieler infrage stellt, dann stellt er implizit auch die Kaderplanung infrage. Und die verantwortet Schröder, seit er von Sportchef Virkus übernommen hat. Die beiden sitzen im selben Boot, aber ihre Aussagen deuten auf unterschiedliche Problemdiagnosen hin.

Mönchengladbach darf Leistung nicht schönreden

Schröder fordert mehr Einfachheit, weniger Schnörkel. Er warnt davor, sich die Leistung schönzureden. Das klingt nach einem Mann, der ahnt, dass gute Statistiken keine Punkte bringen und Trainerarbeit gefragt ist. Gleichzeitig betont er, wie viel das Team investiert habe. Diese Ambivalenz ist symptomatisch für einen Klub, der nicht weiß, ob er sein Spiel loben oder kritisieren soll.

Drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Das ist die nackte Realität, die alle schönen Worte über aufgegangene Matchpläne relativiert. Gladbach befindet sich in einer Situation, in der jede weitere Niederlage existenzielle Fragen aufwirft. Der Druck auf Polanski wächst mit jedem Spiel ohne Sieg.

Ich sehe einen Verein, der sich in Widersprüchen verfängt. Der Trainer lobt seinen Plan und beklagt die Qualität. Der Sportchef warnt vor Schönrederei und betont gleichzeitig das Engagement. Die Spieler investieren viel und bekommen nichts. Das alles ergibt kein kohärentes Bild, sondern das Porträt einer Mannschaft, die nicht weiß, woran sie eigentlich scheitert.