Eberl, Sandro und die Bankräuber: Meine Gewinner und Verlierer der Hinrunde

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel blickt auf eine ereignisreiche Halbserie zurück

Eberl,  Sandro und die Bankräuber: Meine Gewinner und Verlierer der Hinrunde
Foto: Imago / Lackovic

Die Hinrunde ist vorbei, sie hat uns viele Überraschungen beschert. Dazu zählte nicht der Alleingang des FC Bayern – der war noch erwartbarer als gleichbleibende Restaurant-Preise trotz Mehrwertsteuersenkung. Auch bei Weltklasse-Stürmer Harry Kane habe ich damit gerechnet, dass er die Abwehrreihen viererreihenweise wie Amateure aussehen lassen würde. Hier meine echten Gewinner und Verlierer der Bundesliga-Hinrunde 2025.

Gewinner: Union Berlin

Ist laut transfermarkt.de die drittwertloseste Mannschaft der Liga. Holte so gesehen aus quasi nicht vorhandenem Potenzial am meisten raus: Platz 9 für Union Berlin nach der Hinrunde ist wie beim Spazierengehen innerorts geblitzt werden.

Verlierer: Sandro Wagner

Er kam, sah und kriegte – seine Papiere. Der stets wortgewaltige Volkstrainer verhob sich am ersten Bundesligajob in Augsburg: Sandro Wagner, Erfinder des katarischen Bademantels, musste schon nach fünf Monaten gehen. Kleiner Trost: Ohne ihn sind die Augsburger auch nicht besser, die letzten Ergebnisse klingen ein bisschen nach Alex Zverev, wenn's drauf ankommt – 1:1, 0:4, 0:0, 0:1.

Gewinner: Maximilian Eggestein

Vielen ist der Freiburger nicht bekannt, weil er immer aus dem Bild rennt. In der Hinrunde lief Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein 201,7 Kilometer weit, also 11,8 km pro Begegnung, so viel schafft in der Liga sonst keiner. Also keiner außer VfB-Trainer Sebastian Hoeneß, der gefühlt 412 km gerannt ist – nämlich hin und her zwischen Trainerbank und anzumotzendem Vierten Offiziellen.

Verlierer: Eintracht Frankfurt

Die FDP der Bundesliga: Jede gute Phase mündet unweigerlich im nächsten Desaster. Das Problem der Eintracht-FDP: Sie haut nur gegen die Schwachen auf den Putz. In den fünf Topspielen gegen Bayern, Leverkusen, Leipzig, Stuttgart und Dortmund holte die Mannschaft von Dino Toppmöller in der Hinrunde einen ganzen Punkt. Torverhältnis 6:18.

Gewinner: Deniz Undav

Wäre Fußball nicht Fußball, sondern Boxen, der Stuttgarter Stürmer könnte höchstens Sparringspartner von Bayerns Harry Kane (20 Tore) werden. Zehn Treffer in 13 Spielen sind trotzdem ganz gut, nämlich Platz zwei in der Torjägerliste. Deniz Undav, laut Selbsteinschätzung "geilste Sau der Liga", hat sich eine WM-Teilnahme wirklich verdient.

Gewinner: Grischa ... wer?

Richtig, Grischa Prömel. Niemand kennt ihn, war aber laut unbestechlichen "Kicker"-Noten drittbester Spieler der Hinrunde nach Harry Kane und Michael Olise. Der Hoffenheimer Mittelfeldmann Prömel spielte übrigens mal bei meinen Stuttgarter Kickers und wurde in Stuttgart geboren. Irgendwo muss es ja herkommen.

Verlierer: Union Berlin

Hat es zwar in die Gewinnerliste geschafft, aber: Union zeigt den schrecklichsten Fußball der Liga und ist auch noch stolz drauf. Präsident Dirk Zingler sagte diese Woche: „Jeder, der den Fußball bei uns entwickeln will, fliegt raus.“ Wenn das stimmt, sitzt Trainer Steffen Baumgart in Köpenick noch mit 100 auf der Bank.

Gewinner: Said El Mala/Lennart Karl

No-Brainer. Der 19 Jahre alte Said El Mala spielte zwar nur einmal über 90 Minuten, was die Kölner Fans FC-Trainer Lukas Kwasniok knietief anrechnen, schoß aber sieben Tore und bereitete drei weitere vor. Der 17-jährige Lennart Karl wiederum verdiente sich im Milliardenkader FC Bayern 15 Einsätze bzw. 626 Spielminuten. Das ist, als hätte Picasso den Lehrling vom Metzger nebenan an Guernica mitpinseln lassen.

Gewinner: Luka Vuskovic

Der HSV knackte im Sommer den Jackpot im Transferlotto: Luka Vuskovic kam von Tottenham Hotspur und räumt seither hinten ab wie Beckenbauer und Baresi in der Stimmbruchversion. Wie immer beim HSV, hat die Sache einen Haken: Der 18-jährige Vuskovic ist von den Spurs nur ausgeliehen und inzwischen viel zu viel wert: 40 Millionen Euro, Tendenz zum Kopfball steigend.

Verlierer: Paul Nebel/Dominik Kohr

Wenn die zwei Mainzer zusammen eine Bank betreten, füllen die Kassierer vorsichtshalber schon mal das ganze Geld in Plastiktaschen - Nebel und Kohr sind das Furchteinflößendste, was die Bundesliga seit Einführung der Blutgrätsche hervorgebracht hat: Sie wurden in 13 Einsätzen sechsmal verwarnt und flogen viermal vom Platz, belegen damit jetzt gemeinsan und mit Abstand Platz eins der Übeltäter-Rangliste. Stefan Effenberg heult vor Glück, wenn er sie sieht.

Gewinner: Max Eberl

Das Aschenputtel unter den Bundesliga-Managern. Im Sommer unter Druck, weil er gefühlt nichts auf die Reihe kriegte. Im Winter: Transferkönig. Linksaußen Luis Diaz war der einzige Neue, der richtig viel Geld (70 Millionen Euro) kostete, und wurde gleich ein Volltreffer beim FC Bayern, der die Tabelle mit Rekordpunktausbeute (47 von 51) anführt. (Sorry, Märchenfans: Max Eberls Schuhgröße hab' ich noch nicht rausgefunden.)

Verlierer: Stefan Kuntz

Vom größten HSVer seit Horst Hrubesch zur Persona non grata im Volksparkstadion in 24 Stunden? Stefan Kuntz hat's geschafft. Der Vorwurf gegen HSV-Sportvorstand und Europameister von 1996: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Noch gilt die Formulierung: Unschuldsvermutung. Wird fortgesetzt.  

Verlierer: Borussia Mönchengladbach

Begründung unnötig, Gladbach steht seit Jahren immer in dieser Liste, und zwar zurecht.


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